Fahrradtour Uganda, Dezember 2010

Uganda ist ein Garten Eden mit fast ganzjährig angenehmem Sommerklima, hohen und mittleren Gebirgen, Kaffee-, Kakao-, Tee- und Bananenanbau, Kraterseen, Tierparks und dem riesigen romantischen Viktoriasee.
Churchill hat es nicht umsonst die „Perle Ostafrikas“ genannt. Lediglich die Straßen sind – zumindest, wenn man zu den kleinen Dörfern in abgelegenen Gebieten fährt – recht schlecht. Das hat zusammen mit dem ständigen Bergauf, Bergab die Radtour zuweilen anstrengend gemacht, aber die vielen Eindrücke waren die Mühe wert.

Reiseleiter Patrick, ein Afrikaner, war ein Erlebnis für sich. Sehr charmant und auch ein bisschen Macho hatte er sich Motivationsfloskeln angewöhnt, die aus einem Buch „Reiseleitung und Management für Anfänger“ stammen können. Er liebte die Natur, wusste den Weg und organisierte Unterkünfte. Geschichte und Kultur waren eher nicht sein Ding.

Nach der Landung in Entebbe und einer Nacht in der völlig unübersichtlichen Hauptstadt Kampala ging es mit dem Bus an den Rand des Ruwenzorimassivs (Grenze zum Kongo), dessen höchste Gipfel über 5000 Meter aufragen. Beim Aussteigen erwischte uns ein tropischer Regen. Diese Regenfälle sind so heftig, dass man kaum eine Chance hat, die Regenjacke anzuziehen. In der Folge sollten wir Glück haben, nur drei oder vier Mal regnete es noch und gerade dann standen wir geschützt oder waren bereits in der Unterkunft.

Wir wohnten einige Tage in einem Waisenhaus, wanderten von dort in die Berge, beobachteten Kinder beim Fangen des Mittagessen (Heuschrecken – sie werden sogar in den Städten nachts mit riesigen Fallen, die an ein Spiegelsolarkraftwerk erinnern, eingefangen) und starteten eine Zweitagestour in den Semliki-Grabenbruch mit heißem Quellen in einem Palmenwald, Kakaoanbau, Pygmäen, Rinderherden und, und, und….

Danach ging es durch eine Landschaft, die wegen der vielen Kraterseen manchmal an die Eifel erinnerte – nur eben nicht mit Buchen, Fichten, Ginster, sondern v.a. mit Eukalyptus und Bananen. Durch den Vulkanismus am afrikanischen Grabenbruch ist der Boden nicht wie so oft in Afrika rot, alt und verwittert, sondern sehr fruchtbar. Zusammen mit dem angenehmen Klima und ganzjährig ausreichender Feuchtigkeit ist das wunderbar. Für ein Entwicklungsland sind fast alle Erwachsenen und Kinder gut ernährt, die Bananen wachsen ihnen quasi in den Mund. Fast überall ist das Land bebaut, wenngleich natürlich die Anbaumethoden zu wünschen übrig lassen.

Früher war Uganda im tropischen Südwesten mit Feucht- und Urwälder bewachsen. Nach den Jahren unter den Kolonialmächten, unter Amin und Obote ist davon wenig geblieben. Eine Ausnahme ist der Kibalewald, der allerdings auch überwiegend aus Sekundärbäumen besteht. Dort waren wir zwei Tage in neuen, aber feuchten Hütten. Charles hieß der Besitzer, er war früher Koch an der deutschen Botschaft und zauberte unter primitivsten Bedingungen die besten Mahlzeiten. Das Buffet in Uganda besteht fast immer aus verschiedenen Beilagen: Bananenbrei, Reis, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Nudeln, dann aus ein bis zwei Sorten Fleisch, Ziege und Hühnchen sowie aus Kohlgemüse, kleinen auberginenartigen Früchten und Bananen, Mango und Ananas als Nachtisch. Bei Charles gab es noch Rinderhackfleisch und eine umwerfende Ananastorte, die er in Ermangelung eines Backofens in einer Art feuerfestem Koffer auf offener Flamme gebacken hat.

Im Kibalewald wanderten wir auch durch ein Feuchtgebiet mit riesigem Papyrusgras und sahen viele Paviane und andere Affen. Ich habe zudem noch ein Schimpansentrekking gemacht. Nach mehr als drei Stunden waren sie da: zwei große Schimpansen, die sich ein paar Früchte von den Bäumen holten und dann genüsslich vor unseren Kameras verspeisten.

Wieder aus dem Wald heraus, sind wir mehrere Tage über die Dörfer gefahren. Ein einmaliges Erlebnis für uns und auch für die Afrikaner. Der Schachtruf der Kinder beim Anblick von Weißen heißt: How are you Muzungu? Danach kommt allerdings nicht mehr viel, weil es zwar an jeder Ecke eine Schule gibt, die Ausbildung aber zu wünschen übrig lassen soll und Englisch kein Pflichtfach ist. Einmal kam ein gut gekleideter Dorflehrer gelaufen, der uns in korrektem Englisch höflich um ein Foto bat, das er dann mit seiner Kamera (schätzungsweise 60er Jahre Modell) schoss.

Wir überquerten den Äquator und machten Station im Queen Elizabeth Nationalpark. Bei einer Bootsfahrt sahen wir Vögel ohne Ende, Elefanten, Flusspferde und große Büffelherden. Das Löwengebiet durften wir mit den Fahrrädern nicht durchqueren, aber schon Gebiete mit Elefanten, die dann auch prompt einige Male vor uns den Weg querten. Mir kam allerdings ein Warzenschwein zu nahe, das in einer Kuhle lag, bei einem Stopp unsererseits nervös wurde und in Angst und Wut auf mich losstürzte. Um ca. 20 cm hat es mich verfehlt, ist gegen eine meiner Gepäcktaschen geprallt und hat sie aus den Angeln gehoben. Nichts passiert!

Es folgten Teeplantagen, die Besichtigung einer Teefabrik und zwei Tage in den Gästehäusern eines der besten Krankenhäuser von Uganda. Iren unterhalten es und von außen sieht das Gelände eher aus wie eine Ansammlung englischer Landhäuser in blumenreichen Gärten mit eigenem großen Wasserfall und Wasserkraftwerk. Drinnen wollte man trotz der für afrikanische Verhältnisse guten Qualität nicht liegen müssen.

Die letzten Tage ging es stetig immer ein bisschen bergab. Letzte Busfahrt von Mbarara über Kampala nach Entebbe. Ein Tag am Viktoriasee und im exotischen botanischen Garten von Entebbe und dann zurück nach Europa in den Schnee. Wir waren vorbereitet, denn die Zeitungen in Uganda berichteten davon. (Die Zeitungen haben ein Niveau, das weitgehend dem der unsrigen entspricht.)

Eine schöne Reise, ein wunderschönes Land.

Gabriele Hopp, Berlin