Erkundungstour vom Kilimandscharo durch die Usambara Berge zur Küste und nach Sansibar

Tansania, Juli 2013, Fahrrad Erkundungstour vom Kilimandscharo durch die Usambara Berge zur Küste und nach Sansibar

Am Tag nach der Ankunft am Kilimanjaro Internationale Airport und der Übernachtung in Moshi kommen wir nicht ganz so zügig los. Einige hatten noch kein Geld getauscht und wollten das heute machen. Und dann sind die Zahnschmerzen eines Teilnehmers so stark, dass wir erst mal eine Zahnklinik aufsuchen. Wir warten in einem Café nebenan, machen uns mit der Speisekarte vertraut und versuchen, uns die ersten Swahili Worte wie Zahlen und Begrüßung einzuprägen.

Erst nach dem Mittagessen radeln wir vorsichtig -Linksverkehr!- auf der Hauptstraße nach Osten aus der Stadt. Es ist Ende der Regenzeit, wir sehen gelbe Maisfelder kurz vor der Ernte. Eine Hügelkette, die sich links im Hintergrund entlang zieht, begleitet unser sanftes Auf und Ab. Manchmal kreuzt ein kleiner Bach, der von links aus den Bergen kommt, dann sieht man Rinder am Wasser oder Frauen, die ihre Töpfe waschen. Einige größere Flussbetten sind trocken.
Nach 1 ½ Std. erreichen wir die Abzweigung nach Same, machen in Himo eine Pause und verlassen kurz darauf die Straße, um uns auf einer Piste in wunderschöner Landschaft der Hügelkette entgegen zu bewegen.

Es geht ordentlich hoch. Einmal steht ein Pritschenwagen am Feldrand und wird mit Mais und einigen Erdnusspflanzen beladen. Ich kriege gleich ein paar davon geschenkt und wir probieren die frischen, noch nach Erbsen schmeckenden Hülsenfrüchte.
Wir erreichen eine kleine Kreuzung mit Blick auf das Kilimandscharo Massiv. Deutlich lassen sich der Kibo- und der Mawenzi-Gipfel erkennen. Hier geht es nun abwärts zum Lake Chala, wo uns ein sehr ansprechendes Camp erwartet. Der größere Teil des Sees ist auf kenianischer Seite. Bis vor wenigen Jahren war hier noch ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Jetzt versucht man, hier ein Naturschutzgebiet inkl. touristischer Nutzung aufzubauen. Etwa 300 migrierende Elefanten sind über drei Monate im Jahr schon zurückgekommen.

Am nächsten Tag frühstücken wir auf der Restaurantplattform hoch über dem Kratersee, bevor uns die Piste zwangsläufig wieder bergauf führt. Noch einmal machen wir unten an der Straße Pause bei dem kleinen Laden, wo Jens gestern ein Portrait von George gezeichnet hat. Heute früh, Sonntagmorgen, sind einige Leute dort schon am Bier trinken.

   

An der Kreuzung nach Same machen wir Mittagspause und kriegen für 1,50 € ein leckeres Gericht mit Ugali (Polenta), Bohnen und einem spinatähnlichen Gemüse. Für 10 Cent gibt’s dann noch Chai rangi, der schwarze Tee mit Ingwer und hier auch mit sehr viel Zucker.
Bald sehen wir grüne Felder auf beiden Seiten, einige prägnante Baobab-Bäume und dann die zur ‚Eastern Arch‘ Kette gehörenden nördlichen Pare-Berge.
Es geht bergauf, und als wir etwa 3 Std. nach der Mittagspause gut 30 km Strecke hinter uns haben, merken wir, dass wir so nicht vorwärts kommen und stoppen in Mwanga einen LKW, der uns die restlichen 60 km bis Same mitnimmt. Auf der Ladefläche sind schon 2 Kühe, einige Säcke, ein Bettgestell und anderer Hausrat. Jetzt kommen noch unsere Räder und Satteltaschen dazu und auch wir suchen auf diesem Haufen irgendwo einen Platz. Während der Fahrt pfeift uns der Wind um die Ohren, es wird kalt und man muss schauen, wo und wie man sich irgendwie festhalten kann. Dennoch genießen wir die Fahrt durch die schöne Landschaft, links immer die Bergkette und davor bald die ersten Sisalplantagen in sattem Grün.

In Same suchen wir einen Fahrradmechaniker, lassen die Bremse von einem der Leihräder neu einstellen, ein lockeres Hörnchen mit einem Gummi unterfüttern und kaufen für ein anderes Leihrad einen neuen Sattel. Die Wahl von Leihrädern war ein Fehler, wir hatten einige Reparaturen, ganz zu schwiegen von dem anstrengenden Fahren, wenn eine große Person auf einem zu kleinen Rad sitzt. Mit guten (eigenen) Rädern wären wir vermutlich einfacher und schneller vorangekommen.
Es ist kühl, leicht regnerisch und wir befürchten, dass es heute wieder zu anstrengend werden könnte. Zudem geht es auf den ersten km gleich wieder auf 1.000 m hoch. Also verhandeln wir am Busbahnhof in Same mit einem Autobesitzer und mieten für 15 € einen Jeep der uns nach Kiswani bringt. Tatsächlich ging es nur ca. 2 km auf guter Asphaltstraße bergauf und danach auf einer Pistenstrecke fast 25 km bergab. Man hätte die Strecke wohl auch mit dem Rad fahren können. In Kiswani essen wir ein paar Chapatis, trinken Tee und radeln um 12:00 Uhr los. Inzwischen sind es schon 26° Wir fahren eine anstrengende Wellblechpiste mit kleinen Ausweichmöglichkeiten abseits der offiziellen Straße, doch nach gut 20 km kommen wir am frühen Nachmittag bei der Unterkunft in Gonja an. Uns erwartet eine schöne Unterkunft am Hang mit Blick in den Mkomazi Nationalpark. An der Hügelkette hinter dem Haus ziehen sich Reihen von Baobabs den Berg hoch. Die Unterkunft hat stilvoll einen Aufenthaltsraum quasi als Baumhaus in die Krone eines Baobab gebaut. Abends lassen wir uns hier ein Buffet ‚von allem etwas‘ servieren, haben aber leider vorher nicht nach dem Preis gefragt.
Am Nachmittag machen wir noch einen Spaziergang in den Ort, lauschen der aggressiven Predigt einer 7-Tage Adventisten-Versammlung, probieren ein Getränk aus den Früchten des Baobab Baumes und werden vom Fernseher des Cafés mit endlos langen Musikvideos lokaler Gruppen beglückt.

   

Im Baumhaus gibt es ein super Frühstück mit tollem Blick und wir müssen aufpassen, dass uns die Affen nichts von den Bananenstückchen klauen. Durch Gonja fahren wir lange Zeit auf gut asphaltierter Straße in einer grünen Ebene. Rechts zieht sich die Bergkette der südlichen Pare-Berge entlang, wo auch mal ein Wasserfall in der Ferne zu entdecken ist. Links sind bewirtschaftete Felder, Bewässerungskanäle, Sumpfgebiet und Wald zu sehen.
Später geht die Straße in eine Piste über, es wird trockener, sandiger und es geht auch mal bergauf. Bald ist links der Kalimawe-See zu sehen. Wir besuchen eine private Schule, dessen Leiter mächtig stolz ist, dass eine weiße Fahrradfahrergruppe bei ihnen vorbei kommt. Nun biegen wir zum See ab und nehmen eine kleine Abkürzung entlang des Bewässerungskanals. Eine wunderschöne grüne Strecke. Einmal beobachtet uns am Wegrand ein Affe, braune Hammerkopf Vögel sitzen am Wasser und eine Echse windet sich schlangengleich eine Mauer hoch. Nach fast 30 km erreichen wir einen kleinen Ort und stehen plötzlich, direkt neben der Moschee, vor einer kleinen Teebude, in der es trotz Ramadan auch Bohnen, Chapati und süßen Tee mit Ingwer gibt – wunderbar. An einer Seite des Raumes hängen neben weiteren islambezogenen Bildern auch Kalenderblätter mit verherrlichenden Fotos von Gadhaffi und Osama Bin Laden.
Auf einer gewundenen Piste geht es weiter mitten durch den Busch. Es gilt, die dornigen Akazienzweige rechtzeitig zu erkennen und nicht zu überfahren. Es ist heiß und für einige recht anstrengend. In einem Massai Dorf flicken wir einen Platten und die Einheimischen fotografieren uns mit ihren Handykameras. Auch hier gibt es wieder eine Teestube. Hinter dem Ort kommen wir auf eine gut fahrbare Piste und Rückenwind schiebt uns voran. Einige weitere Platten sind zu flicken bzw. werden erst mal mit ständigem Pumpen überbrückt.
Vor Mnazi sehen wir schon ein Hinweisschild für die morgige Strecke. „Nur für vierradgetriebene Fahrzeuge“ heißt es; oh je. Doch zuerst mal fahren wir weiter, fast bis zum Ende des Ortes. Hier gibt es einige sehr einfache Unterkünfte. Im Hinterhof trinken wir unser Bier, flicken die Räder, waschen Wäsche und finden zwei akzeptable Kabinen, wo man sich mit einem Eimer Wasser waschen kann.
Drei Häuser weiter gibt es ein Straßenrestaurant, wo wir auch gleich eine Bestellung zum morgigen Frühstück aufgeben.

Zurück durch den Ort, geschlängelte Wege mit Kokospalmen, Bananenhainen und Maisfeldern. Nochmals Wasser einkaufen und schon biegen wir auf eine kleine Piste ab, die uns bergauf führt. Später wird es steiniger und steil. Alle fluchen und schimpfen. Nach 15 km Schieben und gefühlten 1000 m Höhenunterschied kommt der erste kleine Laden und wir kaufen fast alles an Wasser, Cola und Keksen auf. Ein Motorradfahrer aus dem nächsten Ort wird gerufen, um uns Tee und Teigbällchen zu bringen. Nach einer langen Pause und dem vergeblichen Versuch, ein Auto herbeizutelefonieren, schieben wir die restlichen 5 km bergan. Dabei helfen uns zahlreiche Kinder, die ebenfalls auf dem Weg nach Mtae unterwegs sind. Oben angekommen erwartet uns eine schmale Passstraße, die nach beiden Seiten steil abfällt und einen phantastischen weiten Blick rechts und links hinunter frei gibt.

Nach dem anstrengenden Tag streikt ein Teil der Gruppe, will die anstehenden 50-70 km bergab nicht fahren, sondern maximal 20-25 km, will sich morgens erst mal ausruhen und den Ort anschauen. Also wird für 11:00 Uhr ein Pick-up bestellt. Doch am nächsten Morgen ist es kühl, der gesamte Ort liegt im Nebel und von der tollen Landschaft ist nur hin und wieder was zu sehen. Wir haben genügend Zeit in Ruhe die Sachen zu packen, bis wir um 11:00 Uhr den Pick-up beladen, der uns bergab in Richtung Lushoto bringt. Um 13:00 Uhr halten wir bei einem Restaurant und bestellen ein Mittagessen. Da die Hühner erst noch eingefangen werden, dauert es etwas länger. Auch im Gastraum ist es kalt und wir kriegen ein Holzkohlestövchen. Jens nutzt die Wartezeit um eine Einheit Zeichenunterricht zu geben. Kaum sind wir mit dem Essen fertig, geht es auch schon weiter. Hinter Lukozi steigen wir aus und fahren nur die letzten 15 km mit dem Rad. Schade, da haben wir eine schöne Strecke verpasst. Und wenn man nach dem Frühstück zügig losgefahren wäre, hätte es auch nicht länger gedauert.

Eine sehr schöne Strecke, im Wald und am Fluss entlang (das alte deutsche „Jägertal“) bis zu Mullers Lodge, wo wir einen sehr herzlichen, persönlichen Empfang bekommen und uns erst mal bei Tee, Kaffee und Kuchenstückchen in den Garten setzen während die Mitarbeiter unsere Räder in den Schuppen bringen und die staubigen Satteltaschen säubern. Auch hier ist es kalt; Pullover und Fleecejacken sind angesagt.

   

Der nächste Tag ist frei. Wir lassen unser Räder stehen und mit Michael Rasta und Uli trampe ich auf einem Holztransporter nach Lushoto. Wir besuchen für 15 Min. ein Internetcafé, schauen uns den Markt an und laufen zum Irente Aussichtspunkt. Unterwegs sehen wir die ersten Kaffeesträucher und exotische Früchte und machen einen kurzen Abstecher zur Irente Bio Farm, bevor wir den steilen Abhang des Gebirgszuges erreichen. Das dortige Hotel will 2 $ Eintritt, wenn man bis zur Klippe weiter will. Findige Jugendliche aus dem Ort haben einen Umgehungsfußweg gebaut, wo man nur 50 ¢zahlt. Der Ausblick ist großartig, auch der beim Felsüberhang ein Stück unterhalb.
Mit einem übervollen Dalla Dalla (Buschtaxi) fahren wir nach Mkuzi zurück und steigen bei der Abzweigung zur Mullers Lodge aus. Im Ort trinken wir noch ein Bier in der Dorfkneipe. Einer der anwesenden Männer stellt sich mit einem sehr islamisch klingenden Namen vor. Er bestätigt meine Vermutung und sagt, dass er keinen Alkohol trinke. Das hindert ihn aber offensichtlich nicht daran, auch während des Ramadans abends mit seinen Freunden zusammenzusitzen, auch wenn diese Christen sind und ein Bier trinken. Die Religion spielt hier für das persönliche Miteinander keine Rolle.

Karl Muller empfiehlt uns eine alternative Strecke über Mbelei nach Soni, ohne noch mal Lushoto zu berühren. Es ist eine der landschaftlich schönsten Fahrten, mit viel Urwald, hoch über dem Fluss, den wir auch 2 x überqueren. Wir haben viele nette Begegnungen. So beim LKW, der die Straße blockiert, als aus einem Sandhang ein Granitblock herauswächst, den man in kleinen Stücken abzutragen versucht. Dazu wurde auch Feuer gelegt um das Brechen des Felsens mit einfachsten Geräten voranzubringen. An einer Kreuzung gab es eine manuelle Zuckerrohrpresse mit kunstvoll geschnitztem Holzgewinde, die von vier Frauen bedient wurde. Natürlich durften wir uns auch mal daran probieren, das schwere Rad zu drehen. Am Fluss waschen Frauen Wäsche während andere Fußball spielen und zuletzt gab es in Soni ein schnelles leckeres Essen mit gewürztem Reis, „Pilau“ genannt. Übernachtung in der Maweni Farm, ein schon etwas heruntergekommenes Ensemble, aber auch hier leckeres Essen und ein gemütliches Wohnzimmer mit Kaminfeuer.

Wir hätten nun eigentlich zurück nach Soni fahren müssen und auch wieder die 5 km bergauf bis nach Mbelei zur Kreuzung, wo 6 Straßen zusammenkommen. Aber wir leisten uns einen Lift und packen 8 Räder, 8 Leute und das Gepäck in einen Kleinbus, der uns berghoch bringt. Das dauert seine Zeit und erst gegen 11:30 Uhr können wir mit dem Rad fahren. Nun geht es etwa 2 ½ Std. und 25 km lang meist bergab – wer Spaß am bergauf fahren hat, hätte auch die gesamte Strecke fahren können.
In Bumbuli hatten wir sicherlich die lausigste Unterkunft der ganzen Tour, aber immerhin wurde auch hier zum Waschen das Wasser heiß gemacht. Es gab ein gutes Essen und am Nachmittag hatten wir reichlich Zeit, mit Jens zu studieren, wie man ein Bananenblatt zeichnet.

Am nächsten Morgen kommen wir vor 09:00 Uhr los; es war kühl und es nieselte. Es ging in Serpentinen und gut fahrbar reichlich bergauf. Der Regen hörte auf und wir hatten wieder phantastische Ausblicke auf Felder, Dörfer, Berge, Wald.

An der Bergspitze erreichen wir den Mazumbai Forest und fahren plötzlich ein tolles Stück im dichten grünen tropischen Wald. Bald sind wieder Teeplantagen zu sehen und es geht ordentlich bergab. Gegen 13:30 machen wir Mittagspause in Hangoi. Es dauert ziemlich lange und wir haben noch nicht mal die Hälfte der vorgesehenen Strecke. Das weitere Bergabfahren ist anstrengend. Die Hände verkrampfen an den schlecht ziehenden Bremsen. Die Landschaft ändert sich; es wird trockener. Rote Piste, Feigenkaktus, Palmen, Bananen, Maisfelder -und immer Berge ringsherum. Wir fahren nur bis Mashewa und finden dort eine freundliche Unterkunft. Noch herzlicher ist das Abendessen. Wir buchen im Straßenrestaurant für die Zeit des Sonnenunterganges und des Fastenbrechens während des Ramadans, einen Platz. Alle Leute scheinen auf der Straße zu sein und gemeinsam zu essen. Für uns hat man mehrere Matten auf dem Boden ausgebreitet, auf denen wir sitzen und jeweils einen Teller ‚von allem etwas‘ angeboten bekommen, auf Wunsch auch noch Tee, Obst oder einen süßen Porridge.

Der Busfahrer, der morgen über Korogwe nach Muheza fährt, übernachtet in der gleichen Unterkunft wie wir und sein großer Reisebus steht vor der Haustür. Wir verabreden, mit ihm mitzufahren. Um 05:30 Uhr sind wir aus den Zimmern. Michael Rasta und die Helfer des Busfahrers haben schon alle Räder aufs Dach gepackt und es geht zügig los. Um 10:00 Uhr kommen wir an und gehen erst mal frühstücken.
Zum Amani-Wald geht es wieder bergauf; es ist eine angenehme und schöne Strecke. Am frühen Nachmittag sind wir da und haben einen lockeren Nachmittag: Wäsche waschen, Wanderwege erkunden, zeichnen. Und dann ein sehr gutes Abendessen bei Rose und Vialet.

Wir fahren weiter in den Wald und den Berg hoch zum Amani Nature Forest Conservation Centre. Neun Kehren und neun km hoch sollen es sein. Oben erwarten uns die übliche Teestube, ein kleiner Laden, eine Getreidemühle und eine Milchsammelstelle. Im research centre selbst sind die alten deutschen Forschungseinrichtungen zu sehen und es gibt noch ein Postamt.
2 km bergauf gibt es ein Schmetterlingsprojekt. Leute aus den Dörfern sammeln verpuppte Schmetterlingsraupen ein, die dann in die ganze Welt exportiert werden. Für viele bringt das ein lukratives Zusatzeinkommen. Wenn man in die Voliere will, wo 3-4 Schmetterlinge rumflattern, kostet das 1 € Eintritt pro Person. Das Geld verschwindet direkt in der Hosentasche des Direktors. Eine Quittung gibt es nicht.
Neun km weiter -bergab- sollen die ersten großen Teeplantagen kommen. Wir verzichten darauf und machen auf dem Rückweg noch zwei Stopps: Die ‚lions corner‘ ist eine Kehre, wo man einen schönen Ausblick auf den Wald hat, und weiter unten gibt es ein Stück den Fluss hinauf noch ein altes britisches Wasserkraftwerk zu besuchen.
Zurück in Sigi schauen wir uns die Reste des alten deutschen Bahnhofes etwas genauer an. Im vorderen Gebäudeteil ist ein kleines Museum eingerichtet.

   

Früh morgens fahren wir von Amani aus die schöne bergab Strecke nach Mashewa zurück. Hier ein Frühstück und dann die 42 km Strecke an die Küste nach Pangani. Auch dies ist eine sehr schöne und angenehme Strecke. Zuerst sind noch einige Dörfer und Felder zu sehen, später jedoch ist kaum noch ein Mensch zu sehen.
Am frühen Nachmittag sind wir am Meer, kommen in eine schöne Anlage, die von kath. Schwestern geführt wird. Sie sind sehr nett und eine bemüht sich, etwas deutsch zu sprechen, da sie eine Zeit lang in München gelebt hat.
Das Abendessen ist wieder sehr gut, doch es dauert ewig, bis wir was bekommen. Da hätten wir wohl schon am Mittag die Bestellung aufgeben sollen.
Vier Leute geben nun auch ihre Leihräder an den lokalen Partner zurück.
Ali, ein Bekannter von Michael Rasta vermittelt uns eine Bootsfahrt nach Sansibar. Es sollte 70 $ pro Person kosten und so waren plötzlich meine letzten Scheine ausgegeben.

Wie verabredet stehen wir am nächsten Morgen um 06:00 Uhr samt Gepäck vor der Tür. Die Küche gibt uns als ‚Lunchpaket‘ noch 1 gekochtes Ei, 2 Scheiben Toast und eine ½ Orange mit. Ali kommt mit einem Fahrzeug, das das Gepäck und ein paar Leute zum Kai bringt. Im Hafenbüro dürfen wir uns noch in ein offizielles Buch eintragen und dann geht es aufs Boot. Es hat 3 Holzplanken zum Sitzen und ein Sonnendach. Der Platz reicht für vielleicht 10 Personen.
Die Wellen sind hoch, als wir durch die Brandung gehen und später kommen immer wieder kurze Regenschauer auf. Für einige wird es kalt, nass und unangenehm. Die zwei Jungs vom Boot angeln unterwegs ein Sixpack voller Colaflaschen aus dem Meer und eine Schule von Delphinen zeigt sich.
Für einen von uns war die Überfahrt eine supertolle Sache, doch wir anderen sind heilfroh, als wir nach 3 Stunden in Nungwi endlich die Insel erreichen. Im hüfthohen warmen Wasser steigen wir aus und ein kräftiger Kontaktmann unseres Vermittlers ist schon zur Stelle, um Räder und Gepäck an Land zu bringen.
Erst mal Mittagessen, dann per Taxi zur Unterkunft in Matemwa. Die Seles Bungalows sind eine sehr angenehme Überraschung. Klein und fein, direkt am Wasser und, -wie sich am Abend zeigen wird, mit ganz vorzüglicher Küche.

Das gilt auch für das üppige Frühstück am nächsten Morgen. Wir relaxen am Strand und es gibt wieder einen Aquarellmalkurs mit Jens.
Der Ort Matemwa ist sehr bescheiden und erschreckend ärmlich. Abends gehe ich mit Uli zum einzigen Straßenrestaurant neben der Dalla Dalla Haltestelle, das sich als einfacher Imbiss  herausstellt. Es gibt Pommes mit Chips und Salat dazu. Die einheimischen Männer essen meist eine Fleischsuppe.

Am nächsten Tag unternehmen die Teilnehmer einen Schnorchelausflug zu der Insel hinter dem Riff,  den sie sehr geniessen. Nachmittags gehe ich noch mal zu dem Lehrer, der mir die alten Wasserstellen zeigen wollte. Saidi vom Dorfladen, bei dem ich am Morgen Mangos und Passionsfrüchte kaufte, begleitet mich zusammen mit 2 Freunden. Nach einer halben Stunde klettern wir in ein ca. 3 m tiefes Loch mit etwa 10 m Durchmesser. An einer vorher nicht einsehbaren Stelle führt ein Gang schräg nach unten. Bald gibt es kein Tageslicht mehr und mit Hilfe einer Taschenlampe gehen wir vorsichtig weiter, bis in etwa 10 m Tiefe ein kleiner Pool mit klarem Wasser den Gang beendet.
Neben dem 2. Krater stand ein 5.000 l-Wassertank, den ein Jugendlicher bewachte. Über eine Rohrleitung, die in den Krater hineinführte, wurde der Tank gefüllt. Eine Wasserleitung führte dann in den Ort hinunter. Das Loch war weniger tief aber größer und war offensichtlich nur der Eingang zu einem unterirdischen Gang, der 20 m weiter wieder nach oben führte. In der Mitte gab es eine hohe Decke mit Stalaktiten, vom lauten Gekreische zahlreicher Fledermäuse erfüllt. Und hier in der Mitte verschwand irgendwo die Leitung schräg nach unten. Rote und weiße Stoffstreifen hingen senkrecht von der Decke herunter. Ich solle dort nicht hingehen, wurde mir beschieden. Das sei geheim und mit traditionellem Glauben verbunden.
Der 3. Krater hatte senkrecht abfallende Wände. Höchstes über einen herauswachsenden Baum hätte man hinunter klettern können. Und das 4. Loch war direkt am Straßenrand, von Bäumen und Sträuchern zugewachsen. Saidi schob ein paar Zweige beiseite – offensichtlich war dieser Platz eine Zeit lang als Müllabladestelle benutzt worden.

   

Letzter Tag auf Sansibar. Mit einem angeheuerten Dalla Dalla fahren wir in die 55 km entfernte Stadt Stonetown. Im Hotel, wo Jens vor Beginn der Tour schon ein paar Tage wohnte, deponieren wir unser Gepäck und reservieren danach zum Abendessen einen Tisch im Mercurys. Anschließend bummeln wir individuell durch Stonetown. Die touristischen Gassen waren einigen von uns zu touristisch. Irgendwann landete ich auf dem Markt und war bei den Obstständen überrascht, auch Mangosteen, Rambutan und Durian zu sehen. Gutes Mittagessen im äthiopischen Restaurant Abyssinian Maritim.
Abends kamen wir wieder zusammen, gingen nach dem Abendessen zum Hotel und ließen uns kurz vor Mitternacht zum Flughafen bringen. Beim Check in wurden noch mal 5 $ für eine angebliche Airport-Tax verlangt. Auch hier gab es keine Quittung.
Der Rückflug über Addis Abeba nach Frankfurt verlief reibungslos, ebenso die Bahnfahrt zurück nach Berlin.

Michael Franke, Afrika-erleben