Reisetagebuch vom Kilimandscharo nach Sansibar – Tansania Juli 2013

Vom Kilimandscharo nach Sansibar

Tansania / Juli 2013
Reisetagebuch von Jens Hübner

Für vier Wochen war ich für den Reiseveranstalter AFRIKA ERLEBEN im Norden Tansanias per Fahrrad unterwegs, um mit einer Gruppe von insgesamt acht Radfahrern eine neue Reise von der Stadt Moshi im Landesinneren am Fuße des Kilimanjaro zur Küste des Indischen Ozeans und anschließend nach Sansibar im Rahmen einer Erkundungstour zu testen.

Die dreiwöchige Radtour vom höchsten Berg Afrikas zur Gewürzinsel im Indischen Ozean auf den Spuren deutscher Kolonialgeschichte verlief auf den landschaftlich schönsten Strecken, die ich je in Afrika gefahren bin. Zur Reisephilosophie des Veranstalters AFRIKA ERLEBEN gehört es, Land, Leute und Kultur der bereisten Regionen durch das Transportmittel Fahrrad hautnah zu erleben, ohne ein Radrennen für Mountainbike-Freaks aus der Reise werden zu lassen. Einige Streckenabschnitte müssen deshalb für die regulären Touren, die ab 2014 stattfinden, modifiziert werden.

Als Reiseleiter für die Tour 2014 biete ich an – wie bei allen von mir geführten Reisen – unter meiner Anleitung persönliche Eindrücke in Skizzen und Reiseaquarellen zu verarbeiten. Weitere Informationen und Anmeldung zu den Reisen gibt es unter www.afrika-erleben.deFahrradtour vom Kilimandscharo nach Sansibar Fahrradgruppe am Strand von Sansibar arusha nationalpark tansania11. Juli 2013 / Arusha Nationalpark am Fuße des Kilimanjaro

Giraffen, Zebras und Büffel können in diesem tansanischen Nationalpark vor dem Hintergrund des höchsten Bergs Afrikas beobachtet werden. Während der kurzen Fotostopps fliegt mein Bleistift schnell über das Papier. Mit wenigen prägnanten Strichen halte ich die beeindruckenden Tiere in ihrer Umgebung fest, bevor es weiter geht. Längere Pausen geben mir Zeit, meine Skizzen noch vor Ort zu kolorieren.

Affen15. Juli 2013 / Gonja / Safari Lodge / nahe des Mkomazi Nationalparks

Wir frühstücken in einem kreisförmigen Raum, der einen alten Affenbrotbaum umschließt. Im Dach der mit trockenen Bananenblättern gedeckten Konstruktion turnt eine Horde Affen über uns. Nur durch große Achtsamkeit gelingt es uns, freche Diebstähle vom Tisch zu verhindern.

Rasta
15. Juli 2013 / Gonja / Safari Lodge / nahe des Mkomazi Nationalparks

Unser tansanischer Guide ist der sympathische, etwas schlaksige Michael Rasta. Seine dicken, langen Rastafari Zöpfe verstaut er tagsüber in einer voluminösen runden Mütze. Erst abends, wenn wir beieinander sitzen, lässt er sie manchmal fallen. Der Klingelton seines ständig bimmelnden Handys ist natürlich ein cooler Rasta Song.

Pistenstrecke16. Juli 2013 / Piste nach Mnazi entlang des Kalimawe Sees

In der Ebene, die wir in der Mittagshitze durchqueren, haben viele der Bäume ihr Laub abgeworfen, um der Austrocknung zu entgehen. Als sich harte Akaziendornen durch die Fahrradmäntel bohren, hilft ein gastfreundlicher Massai beim Flicken des Reifens.

Bananenblätter19. Juli 2013 / Mtae in den Usambarabergen (zu deutschen Kolonialzeiten hieß der Ort Neu Bethel)

Nach einem anstrengenden Aufstieg ins Gebirge übernachten wir in einem von Bananen eingefassten einfachen Hotel. Als morgens die Sonne durch die Wolkenschleier blitzt, glänzen die nassen Blätter in einem fluoreszierenden Grün.

Mazumbai Forest20. Juli 2013 / Im Mazumbai Wald zwischen Bumbuli und Mashewa

Die üppige Vegetation mit ihren exotischen Formen fasziniert mich immer wieder. Knorrige, hundertjährige Affenbrotbäume, in deren Schatten wir rasten, und schlanke, hoch aufragende Kokospalmen wechseln sich ab mit den großblättrigen, flatternden Blättern der Bananenbäume. Schwertförmige Sisalblätter werden mit Macheten auf den Plantagen geerntet, um als Fasern zu Seilen oder Matten verarbeitet zu werden.

lehmhaus-bei-bumbuli-tansania20. Juli 2013 / Zwischen Bumbuli und Mashewa

Unseren Weg durch den Norden Tansanias säumen viele Häuser, die aus luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet wurden. Der natürliche Erdton der wellblechgedeckten Gebäude hebt sich angenehm vom Grau der modernen Betonbauten ab.

Hafenbehörde Pangani
26. Juli 2013 / Pangani am Indischen Ozean

Nach fünfzehn Tagen im Fahrradsattel erreichen wir die Küste des Indischen Ozeans. Der morbide Charme der ehemals bedeutenden Hafenstadt Pangani wird durch die Spuren deutscher Kolonialgeschichte noch verstärkt. Im verfallenen Zollhaus, dessen Wände durch die Tropenregen schimmlig-schwarz aufgeblüht sind, wird immer noch Zement, Diesel und Speiseöl bis zur Weiterfahrt zwischengelagert.

Schnorcheln auf Sansibar

28. Juli 2013 / Die Sansibar vorgelagerte Privatinsel Muemba

Warmes, smaragdgrünes Wasser plätschert vor einem türkisblauen Himmel an einen schneeweißen, puderfeinen Sandstrand. Beim Schnorcheln vor der Privatinsel Muemba können wir uns an den bunten Fischen, Seesternen und Korallen nicht satt sehen. Zurück an Bord des kleinen Ausflugbootes werden wir mit tropischen Früchten verwöhnt.

Algen Sammeln auf Sansibar29. Juli 2013 / Matemwa auf Sansibar

Während der Ebbe ist das Meereswasser bis zum weit vorgelagerten Riff nur knöcheltief. Fischerfrauen sammeln dann angeschwemmte Algen aus dem warmen, seichten Wasser. Nach dem Trocknen verkaufen sie die Ware an europäische Kosmetikunternehmen.

Holztüren in Stonetown Sansibar31. Juli 2013 / Stone Town / Sansibar

Stone Town, das Zentrum der Insel, hat arabische, indische, europäische und natürlich afrikanische Einflüsse. Mit Ornamenten verzierte Holztüren sind typisch für die Altstadt, wo man sich schnell im Labyrinth der extrem engen Gassen verirrt.

Kleiderverkauf auf Sansibar31. Juli 2013 / Stone Town / Sansibar

Die vorherrschende Religion auf der Gewürzinsel ist der Islam. Die Auswahl der Kleiderfarben für diese Frauen ist deshalb recht begrenzt. Umso mehr achten sie auf feine Details. Applikationen, raffinierte Kragen oder seidene Borten blitzen in den reizvollsten Farben hervor.

Altstadt Stonetown31. Juli 2013 / Stone Town / Sansibar

Die historischen Häuser der Altstadt sind alle sehr vom feucht-heißen Klima der Tropen angegriffen. Mit einfachsten Mitteln, wie zum Beispiel diesen über das Gebäude gespannten Seilen wird versucht, ein Auseinanderbrechen der Gebäude zu verhindern.

Sultanspalast Stonetown31. Juli 2013 / Sultanspalast in Stone Town / Sansibar

Einen ganzen Nachmittag nehme ich mir Zeit, den Sultanspalast zu besichtigen. Mein Blick fällt auf eine breite, faltbare Lamellentür. Ich stelle mir vor, wie der Sultan sich auf das schmiedeeiserne Gitter lehnte, um bei geöffneten Türen die im Hafen ankommenden Schiffe zu begrüßen.