Reisebericht zur Fahrradtour Uganda 2008

01. – 22. Dezember 2008
Yvonne aus Berlin

„Uganda – wie kommst Du denn darauf? Und dann noch mit dem Fahrrad?“ Wie schon bei der Reise nach Ecuador vor zwei Jahren war das oft die erste Reaktion, wenn ich von meinen Reiseplänen erzählte. Die Antwort ist dieses Mal aber eine ganz andere. Vor einiger Zeit habe ich in meiner Alpenvereinszeitung(!) einen Artikel über einen Reiseveranstalter gelesen, der Fahrradreisen in Afrika anbietet und für eine Reise durch das Hochland von Äthiopien einen Preis gewonnen hat. Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf, denn Radfahren macht mir von Jahr zu Jahr mehr Spaß, erst recht mit dem neuen Rad. Und nach Afrika wollte ich auch gerne mal. Ägypten (wie alles oberhalb der Sahara) zählt da ja nicht so richtig. Als ich dann Mitte des Jahres mal wieder auf der Homepage von Afrika-erleben nachschaute, welche Reisen denn gegen Ende des Jahres angeboten werden, aber vor Weihnachten enden, war schnell klar, dass da nur eine in Frage kam: Uganda.

 

Vorfreude, schönste Freude
Im Internet war sie als Pilottour beschrieben, d.h. das war die erste Tour überhaupt. Gebucht hatten bis dahin vier Personen, die der Veranstalter schon kannte. Und nachdem er mich nach bisherigen Reiseerfahrungen ausgefragt hatte, war er bereit, auch mich mitzunehmen. Leider stellte sich dann bald heraus, dass Michael Franke selbst nicht mitkommen kann, woraufhin ich beschloss, mich selbst noch nach einem weiteren Mitreisenden umzusehen. Dafür gibt es im Internet einige Plattformen. Auch wenn das letztendlich nicht erfolgreich war (und der 6. Mitreisende auf einem anderen Weg zu der Reise kam), kann ich bei Bedarf gerne Tipps geben … Als nächstes habe ich mich beim Tropeninstitut beraten und impfen lassen, meine Reiseapotheke aufgefüllt und im Internet nachgelesen, was man vor Ort so alles beachten muss. Die Tatsache, dass ich nur 2 Fahrradtaschen für mein Gepäck hatte, hat mir kaum Kopfzerbrechen bereitet, dafür aber die Fragen, wie ich das Fahrrad verpacke, nebst Verpackung zum Flughafen nach Frankfurt/Main bekomme und was ich mache, wenn ich unterwegs ein Problem mit dem Rad habe. Also hab ich mich beim ADFC für einen Reparaturkurs angemeldet, mein Fahrrad noch mal im Fahrradladen des Vertrauens angucken lassen und dort auch einen großen Karton geordert. Der Rest ist eigentlich ganz einfach … Das war die Reise, die bisher am meisten Vorbereitung erfordert hat, was mir am Anfang gar nicht so klar war. Michael hat alle meine Fragen schnell und kompetent beantwortet, so ich ein ganz gutes Gefühl hatte, auch wenn ich meine Mitreisenden und den einheimischen Reiseführer nicht kannte und so überhaupt keine Vorstellung davon hatte, was mich erwartet.

Es geht los
(01.12.) Zunächst mal war das eine lange Anreise mit dem Zug nach Frankfurt/M. (mit 2 x Umsteigen) und dann ein Nachtflug. Eine Freundin ist so lieb, mich und vor allem mein Gepäck zum Hauptbahnhof zu fahren und auch noch in den Zug zu setzen. Ab da muss ich dann allein klarkommen, was auch ganz gut klappt. Im Zug habe ich dann auch mal Zeit, mich mit meinem Reiseziel zu beschäftigen, d.h. im Reiseführer zu lesen (den kann ich natürlich nicht anhängen, aber hier Wikipedia/Uganda steht auch schon eine Menge). Als ich den Thüringer Wald überquere, schneit es draußen, und im Wagen ist es ziemlich kalt. Das ist doch eine schöne Einstimmung auf den Urlaub. Als ich Kassel in den Zug nach Frankfurt steige, stehen im Fahrradabteil schon vier Räder mit Kartons. Und richtig, das sind meine vier Mitreisenden aus Hameln. Endlich angekommen auf dem Flughafen und am richtigen Schalter bauen wir unsere Kartons zusammen und die Räder auseinander (soweit erforderlich) und stellen uns in die Schlange. Leider haben wir kein Glück, d.h. wir müssen pro Rad noch mal 110 EUR bezahlen. Und am Ende der Diskutiererei fast noch zum Flugzeug rennen. Aber ab da ging eigentlich alles gut.
(02.12.) Vier Stunden Aufenthalt in Addis Abeba und ein etwas verspäteter Flug nach Entebbe können uns jedenfalls nicht die Laune verderben. Als wir ankommen, sind alle Räder (und auch alle Taschen) da und keines ist beschädigt. Unser Guide, Patrick, erwartet uns. Und draußen ist es sonnig, warm und überhaupt recht angenehm. Wir bauen die Räder zusammen und fahren die ersten 9 km in Uganda bis zu unserem Hotel – auf der linken Seite! Der Einfluss Englands, wozu Uganda als Kolonie gehörte, ist später auch noch an anderen Stellen zu spüren.

Ankommen, Kennen lernen
Nachdem wir unsere Zimmer bezogen und uns geduscht haben, sind wir bereit für einen ersten Spaziergang durch den Ort. Wir wollen ein bisschen gucken und auch etwas Geld tauschen. Gegen sieben wird es – recht schnell – dunkel, und wir packen den Mückenschutz aus. Das Abendbrot wird schließlich im Garten hinter dem Hotel serviert, was eine sehr schöne Einstimmung ist. Wir stellen uns alle vor und erfahren so auch etwas mehr über Patrick. Er ist 27 Jahre alt, hat früher als Lehrer gearbeitet und bietet seit ein paar Jahren Fahrradreisen an. Bisher hat er nur US-amerikanische Gruppen gehabt, d.h. wir sind seine erste deutsche Gruppe. Er ist nun besonders bemüht, einen guten Eindruck zu machen. Patrick erzählt uns, was uns in den folgenden 3 Wochen erwartet. Wir werden am nächsten Tag mit den Rädern nach Kampala, die Hauptstadt, fahren und vor dort mit dem Bus nach Fort Portal. Wir werden im Südwesten unterwegs sein, einige Nationalparks besuchen und am Ende von Mbarara mit dem Bus zurück nach Kampala fahren (s. auch Detailkarte am Ende). Zum Schluss übernachten wir noch mal in Entebbe, so dass wir dort unsere Fahrradkartons und die Wintersachen von der Anreise deponieren können. Mehr als die Hälfte der Strecke sind „rural trails“, und was das bedeutet, erfahren wir im doppelten Sinne des Wortes recht bald. Auf den „richtigen“ Straßen müssen wir dagegen auf den Verkehr achten und immer schön in der Gruppe zusammenbleiben. Ansonsten ist frühes Aufstehen angesagt. Die meisten Tagesetappen sind so lang bzw. kurz, dass man bis zum Mittag oder frühen Nachmittag am Ziel ist, und so nicht allzu sehr in der Mittagshitze schwitzen muss. Außerdem hat man so noch etwas Zeit, sich den Ort anzuschauen, bevor die Sonne untergeht.

Kampala
(03.12.) Die erste Etappe lässt sich gut an. Früh um acht ist es noch kühl, und auch die Straße noch nicht so voll, Aber nach einer Viertelstunde müssen wir uns erstmal unterstelle ein Regenschauer. Sofort ist die Straße leer … Aber auch das ist für was gut. Während wir da so stehen und warten, stelle ich fest, dass ich noch den Hotelschlüssel in der Tasche habe (das ist mir noch nie passiert). Zum Glück muss ich nicht zurückfahren – unser Guide ruft im Hotel an, und der Schlüssel wird abgeholt. Bis wir Kampala erreichen, nimmt der Verkehr deutlich zu, und als wir mitten in der Stadt sind, erleben wir das erste Mal, wie der Verkehr in einer afrikanischen Großstadt funktioniert bzw. eben nicht. Das ist definitiv nichts für Klaustrophobiker. Vom Hotel aus geht es dann wieder zu Fuß weiter. Zunächst auf der Suche nach Geld. Tauschen geht ja noch, aber abheben? Ich werde etwas unruhig … Aber dann beschließe ich, darauf zu vertrauen, dass sich das schon noch irgendwie regeln wird und ich jetzt lieber erstmal die Stadt anschauen möchte. Unser Guide verhandelt mit ein paar Motorradtaxis, genannt Boda-Boda. Auch wenn man im Zweifelsfall eine ganze Familie darauf Platz hat (kenne ich ja schon aus Asien), hätten wir doch lieber gerne jeder einen eigenen Fahrer … Wir fahren zu den Kasubi Royal Tombs, wo wir bei einer Führung einiges aus der ugandischen Geschichte erfahren, insbesondere über das Königreich und die Könige von Buganda. Zurück geht es mit dem Minibus, was deutlich entspannter ist als auf einem Boda-Boda. Wir schauen uns einen indischen Tempel an, wo uns besonders die Trommelmaschine beeindruckt, mit der wohl die Gläubigen zum Gebet gerufen werden. Und schon wird es wieder dunkel.

Fort Portal
(04.12.) Am nächsten Tag gibt es schon um sechs Frühstück (das ist nach unserer Zeit 04:00 Uhr!), denn wir wollen möglichst früh am Busbahnhof sein. Sieben Fahrräder passen nicht so ohne weiteres in einen Bus, und die anderen wollen ja auch noch was mitnehmen. Es dauert dann auch eine Weile, bis alle Räder verstaut sind, und wir haben kein ganz so gutes Gefühl, ob die Räder die Fahrt gut überstehen werden. Aber erstmal genießen wir die Fahrt. Die Straße ist recht gut, und die Aussicht auf die wechselnde Landschaft noch besser. Wir fahren knapp 5 h, halten unterwegs aber einmal. Sofort ist der Bus von jeder Menge Händler umringt, die Essen und Getränke anbieten. In Fort Portal bauen wir dann unter großer Anteilnahme der einheimischen Bevölkerung unsere Räder zusammen. Und so wird das in den nächsten Wochen auch bleiben, egal, wo wir sind, es sind immer viele Leute, vor allem Kinder um uns herum. Nach einer ausgedehnten Mittagspause starten wir noch einen Versuch, Geld abzuheben. Letztendlich führt mich der Bankangestellte an einer Schlange von mindestens 50 Leuten vorbei, die gerade ihr Gehalt bekommen haben – ich hab mich schon besser gefühlt. 9 Aber die Alternative wäre gewesen, die ganze Gruppe mehrere Stunden warten zu lassen. So gestärkt setzen wir uns nun endlich auf die Räder und fahren nach Kichwemba, den Heimatort unseres Guides. Wir wohnen die nächsten Tage in zwei Gästehäusern des Waisenhauses. Es gibt keinen Strom, eine Latrine und nur kaltes Wasser (immerhin aus einer Dusche). Alles recht einfach also, aber sehr typisch. Im Waisenhaus leben ca. 30 Kinder im Alter von 1 bis 18 Jahren, die aber nicht alle Waisen sind, sondern z.T. aus sehr armen Familien stammen. Die meisten sind recht neugierig und aufgeschlossen und so sind wir in den nächsten Tagen eigentlich nie allein. Auch unsere Guide hat früher in dem Waisenhaus gelebt. Er ist der älteste von insgesamt 10 Geschwistern, vor ca. zehn Jahren ist sein Vater gestorben und seine Mutter besitzt nur ein kleines Stück Land.
(05.12.) Wir schauen uns im Ort um. Da die Schulferien gerade begonnen haben, sind die Schulen leer, aber in der Secondary School empfängt uns ein Angestellter und erzählt über die Schule, Lehrpläne, die Schulpflicht und die weiteren Pläne. Die Grundschule (Primary School) ist Pflicht und kostenlos; sie geht von der 1.-6. Klasse. Für die Secondary School muss man Gebühren bezahlen, die relativ hoch sind. Der Unterricht ist dann nur noch in Englisch, aber auch in der Grundschule wird schon Englisch gelehrt. Dadurch ist für uns die Verständigung recht einfach – fast alle Leute, die wir unterwegs treffen sprechen Englisch. Nur die Aussprache ist für uns etwas gewöhnungsbedürftig. Als Nächstes passieren wir den Markt. Wir kommen nur langsam voran, weil wir gucken und beguckt werden. Eigentlich wollten wir ja auf einen Berg klettern, uns wurden Bambuswald und Affen versprochen. Aber wir haben wohl zu lange gebummelt, es wird langsam heiß, und unsere Begleiter aus dem Waisenhaus haben auch nicht so recht Lust, noch weiter auf diesem steilen Weg nach oben zu kraxeln. So kehren wir recht bald um, aber der Ausblick ist auch so schon sehr schön. Am Nachmittag sind wir bei unserem Guide zu Gast. Er hat ein Grundstück gekauft, wo er ein Hotel bzw. Guest House bauen möchte, und er erzählt uns, was er so vorhat. Für den Nachmittag hat er außerdem eine Musikgruppe eingeladen. Ich war etwas skeptisch, was uns da erwarten würde, aber schnell stellte sich heraus, dass es sich um eine Gruppe von Schülern handelt. Sie pflegen zum einen ihre Traditionen, in dem sie Lieder und Tänze lernen und aufführen, zum anderen scheinen sie auch so eine Art „Aufklärungsarbeit“ zu leisten, wenn sie kleine Geschichten aufführen, in denen es z.B. um den Umgang mit Konflikten geht. Das war unterhaltsam und interessant. Und das halbe Dorf war auch noch da, denn viel ist da sicher nicht los.
(06.12.) Am Nikolaustag (zum Frühstück gibt es doch tatsächlich kleine Weihnachtsmänner von meinen Mitreisenden!) dürfen wir mal ausschlafen. Aber das liegt nur daran, dass wir heute nur eine kurze Etappe vor uns haben. Es geht also alles ganz langsam los. Heute steht eine Tour zu einer Höhle, einem Wasserfall und einigen Kraterseen auf dem Programm. Die Höhle ist eigentlich nur ein Überhang und die Geschichte dazu fast eindrucksvoller als die Höhle selbst, aber landschaftlich ist das alles sehr schön. Wir klettern auf einen Hügel, von wo aus man mehrere Seen überblicken und am Horizont das Ruwenzori-Gebirge erkennen kann. Von letzterem sehen wir aber auch in den nächsten Tagen immer nur ein paar Ausläufer und nie die schneebedeckten Gipfel. Wir können also nur ahnen, was wir da verpassen. Auf dem Rückweg müssen wir einen Bach überqueren und dazu die Räder über einen Baumstamm tragen. Das bleibt zum Glück das einzige Mal. Am Nachmittag schauen wir uns die Bananenplantage und den Fischteich an, die zum Waisenhaus gehören. Sie haben auch noch eine Ziegenherde, die immer mal über das Gelände marschiert. Sie versuchen, sich so weit wir möglich selbst zu versorgen. Sehr üppig scheint das Essen für die Kinder nicht zu sein, jedenfalls im Vergleich zu unserem. Aber es gibt auch geistige Nahrung, sprich eine Bibliothek. Und so kommt es, dass man auch im tiefsten Uganda die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln kennt – sehr zur Freude meiner vier Mitreisenden aus Hameln.
(07.12.) Nun wird es allmählich ernst. Von Kichwemba aus fahren wir Richtung Norden und immer bergab. Wir fahren am Fuß des Ruwenzori-Gebirges entlang und schauen in eine Ebene, die bis zum Lake Albert reicht (den wir aber nicht sehen können). Nach etwas ab und auf geht es auf einer schlechten Straße mindestens 500 Höhenmeter nach unten. Das ist wirklich alles andere als ein Genuss, zumal meine Bremsen so laut quietschen, dass ich mir am liebsten die Ohren zuhalten möchte. Aber die Ausblicke sind toll! Vor uns liegt der Semliki National Park. Der Semliki River bildet an dieser Stelle die Grenze zu Kongo, und der Nationalpark besteht vor allem aus Regenwald. Mit einem Ranger marschieren wir durch den Park. Es gibt dort Hot Springs, viele Vögel, jede Menge Affen, lustige Pflanzen (z.B. Leberwurstbäume) – und definitiv zu viel Wasser auf dem Boden. Der Ranger hat Gummistiefel an, wir haben nasse Füße. Nach 3 Std. erreichen wir ein paar Hütten, die zum Nationalpark gehören, und entscheiden, dass wir da übernachten wollen. (Das war vorher nicht ganz klar – ist eben eine Pilottour.) Auf dem Weg zu unseren Rädern überrascht uns mal wieder ein Regenschauer, vor dem wir Zuflucht in einer kleinen Kirche suchen, wo wir uns den Platz mit ein paar Bauern und einigen Ziegen teilen. Als nächstes müssen wir noch für unsere Verpflegung sorgen, denn bei den Hütten gibt es nichts als kaltes Wasser. Also fahren wir ins nächste Dorf und sorgen mal wieder für Aufregung. Hier sehen wir aber auch viele richtig arme Leute, vor allem Kinder. Zwei Pygmäen, die deutlich zu viel getrunken haben, versuchen uns zu überreden, sie zu besuchen. Sie sind ziemlich aggressiv, und wir beschließen, den ursprünglich geplanten Besuch bei den Pygmäen ausfallen zu lassen. So ganz sicher sind wir aber nicht, was in diesem Fall das „Richtige“ ist. Die Pygmäen waren ursprünglich Nomaden, die auf dem Gebiet des jetzigen Nationalparks von der Jagd gelebt haben. Als dieser gegründet wurde, hat man versucht, sie außerhalb anzusiedeln. Das entspricht aber nicht ihrer eigentlichen Lebensweise, so dass ihnen jetzt nur noch bleibt, sich an die Touristen zu „verkaufen“. Das erfahren wir alles beim Abendbrot (mehr ein Picknick), das es auf einer Art Terrasse mitten im Dschungel gibt. Das ist einfach nur schön und kein bisschen beängstigend. Wir sehen sogar ein paar Glühwürmchen.
(08.12.) Für das Frühstück am nächsten Tag hat unser Guide immerhin Tee organisiert. Dazu gibt’s die Reste vom Abend davor. Es ist angenehm kühl, und vor uns liegt ein langer Anstieg. Das beschäftigt mich im Moment viel mehr. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, die Strecke vom Vortag in umgekehrter Richtung zu fahren. Zwei anderen geht es ähnlich, weswegen wir am Vorabend besprochen hatten, den ersten Pick up anzuhalten, der uns überholt und noch freie Plätze hat. Aber erstmal fahren wir ganz langsam los. Und auf einmal stellt sich heraus, dass das doch ganz gut geht! Einfach den kleinsten Gang nehmen, ganz langsam fahren und ab und zu mal zum Trinken anhalten. Zum Glück ist der Weg nicht zu steil und sehr schattig. Irgendwann fängt es an, Spaß zu machen, und dann packt mich der Ehrgeiz. Es kommen ohnehin kaum Autos vorbei, und die sind dann auch noch alle voll. Als wir endlich oben auf dem Pass ankommen, bin ich nicht die Letzte und stolz wie Bolle! Und ich glaube nun auch, dass ich den „Rest“ der Tour schaffen kann, der noch sehr anspruchsvoll wird. Im nächsten großen Ort machen wir erstmal ausführlich Pause. Es sind eine Menge festlich gekleideter Leute unterwegs – es ist Großer Bayran, und in dieser Gegend scheint es eine Menge Moslems zu geben. Wir sind an vielen Moscheen vorbeigefahren, von denen ich leider keine fotografiert habe, denn die sehen z.T. schon recht lustig aus, wenn man sie mit denen in den arabischen Ländern vergleicht. Vor uns liegt jetzt noch ein großer Anstieg. Den würde ich bestimmt auch noch schaffen, aber da wir ja noch 2 Wochen unterwegs sein werden, gehe ich auf Nummer sicher und besteige mit zwei meiner Mitradler und dem Gepäck der anderen einen Pick up. Auch das ist durchaus ein Erlebnis. Immerhin kann ich noch die Landschaft genießen. Und mich bewegen, als wir endlich da sind und vom Auto steigen können. Zurück im Waisenhaus genießen wir unseren letzten Nachmittag dort: wir sitzen auf der Wiese, trinken Tee, lesen, schreiben Tagebuch, unterhalten uns mit den Kindern, … Kurz vor dem Abendbrot dürfen wir einen Blick in die Küche werfen. Gekocht wird mit Holz, das furchtbar qualmt, und mit ganz einfachen Mitteln. Das ist sehr anstrengend. Umso mehr überrascht es uns, wie man auf diese Art und Weise so lecker kochen kann. Das Essen war überall – bis auf wenige Ausnahmen – sehr einfach, wenig abwechslungsreich, aber eigentlich immer sehr gut. Ich mochte es jedenfalls.

Kibale Forest
(09.12.) Nach einer langen Verabschiedung und dem Austausch von Adressen verlassen wir das Waisenhaus und Kichwemba. Über Fort Portal radeln wir in den Kibale National Park. Es geht auf einer gut befahrbaren Piste meist leicht bergab. Wir sehen die ersten Teeplantagen. Zum Mittagessen halten wir an einem Kratersee. Danach geht’s weiter auf und ab bis zu unserer Unterkunft. Unterwegs sehen wir jede Menge Paviane, die nicht sehr scheu sind. Am Abend drehen wir noch eine Runde durchs Dorf.
(10.12.) Am nächsten Morgen laufen wir ins Nachbardorf Bigodi, wo unser Guide uns für eine Führung angemeldet hat. Zweieinhalb Stunden spazieren wir durch den Magombe Swamp und beobachten Affen und Vögel. Dank eines schön angelegten Weges bleiben dieses Mal die Füße trocken. Dafür regnet es dann den ganzen Nachmittag – Zeit zum Lesen. Nachdem das Essen am Vorabend eher spärlich ausgefallen ist, hat unser Guide der Angestellten wohl ziemlich deutlich gesagt, dass er sich das nächste Mal auch ein anderes Quartier suchen kann. Jedenfalls war das Essen richtig gut und reichlich, gekrönt von einem leckeren Ananaskuchen. Wenn wir das richtig verstanden haben, haben sie für dieses Essen auch den ganzen Tag gebraucht. Wir waren jedenfalls mehr als zufrieden und konnten gar nicht alles aufessen.
(11.12.) Eigentlich stand an diesem Tag ein Besuch bei den Schimpansen auf dem Plan. Für den Eintritt und die Führung hätten wir $90 bezahlen müssen, was uns zuviel war. Also sind wir gleich morgens zu unserer nächsten Unterkunft lgefahren. Es sah schon ganz grau aus, und nach einer Stunde fing es dann auch wirklich an zu schütten. Da wir nicht mehr weit weg waren, sind wir weitergefahren und dann pitschenass angekommen. Aber mit heißem Tee haben wir das gut ausgehalten. Als dann endlich die Sonne wieder herauskam, war alles ganz schnell trocken. Am Nachmittag machen wir dann – statt der Schimpansentour – eine längere Wanderung zu Kraterseen und einem schönen Aussichtspunkt („Top of the world“). Hinterher gab’s eine warme Dusche (die erste nach einer Woche) und nach dem Abendessen noch ein Lagerfeuer für uns. Da ist dann der Streit wegen des Geldes für die Führung schnell vergessen, zumal wir am Ende dann gar nichts dafür bezahlen müssen.

Übernachten am See im Kibale ParkUganda, bei Kichwamba
Queen Elizabeth National Park.
(12.12.) Nach dem Frühstück und einen letzten Blick auf den Kratersee verlassen wir den Kibale Forest über Feldwege, die auf keiner Karte eingezeichnet sind. Mit guten Karten ist es ohnehin schwierig – die Route, die wir gefahren sind, hätten wir niemals alleine planen und dann auch noch finden können. Dafür sind wir wirklich mittendrin im Land und zwischen den Leuten. Wir wissen unseren Guide sehr zu schätzen, der sich gut auskennt und nur einmal nach dem Weg fragen muss. Wir fahren durch Felder und Dörfer, die Landschaft verändert sich, und wir haben wunderschöne Ausblicke. In einem Dorf halten wir und schauen die Kirche an, weil wir Trommeln hören. Dann werden die Wege allmählich breiter, und wir sehen immer mehr Fahrräder, die mit großen Bananenstauden beladen sind. Als wir nach 22 km die Straße erreichen, sehen wir auch warum: dort befindet sich eine Sammelstelle für Bananen. Das sehen wir noch öfter. Kochbananen (Matoke) sind offenbar ein Grundnahrungsmittel in Uganda. Auf der Straße geht es dann noch gut 30 km weiter. Es ist ziemlich heiß und es gibt wenig Schatten, so dass wir ganz schön zu kämpfen haben. In Hima passieren wir eine Zementfabrik (ich sag nur: Emissionshandel), die unglaublich viel Dreck ausspuckt und auf den Ort herabrieseln lässt. Weiter geht es vorbei an Baumwollfeldern. Und zum Schluss gibt es noch eine schöne lange Abfahrt, ehe wir in Kasese einrollen. Die Stadt ist etwas größer und hat mehrere Hotels, weil viele Touristen von hier aus zu Touren in die Ruwenzori Berge starten. Wir schauen uns den Markt an und erstehen Fahrradklingeln, die auch die Einheimischen an ihren (indischen?) Fahrrädern haben und die schön laut sind. In der Abenddämmerung finden wir uns auf dem Balkon des Hotels zu einem Sundowner ein …
(13.12.) Am nächsten Tag wechselt die Landschaft schon wieder: hinter Kasese beginnt die Savanne. Es geht wieder bergab, und wir können bis zum Lake George sehen. Schon bald erscheinen auch die ersten Antilopen. Noch halten wir bei jeder an, aber unser Guide verspricht uns, dass wir bald noch viel mehr sehen werden. Doch zunächst erstmal erreichen wir den Äquator, der an dieser Stelle ganz unspektakulär ist. Und dann tauchen wirklich jede Menge Antilopen, aber auch Warzenschweine und Büffel auf. Nach gut 30 km biegen wir von der Straße ab und fahren 20 km auf einem Feldweg, wo wir unseren ersten Elefanten sehen. Mweya liegt am Ende des Kazinga-Kanals, der den Lake Edward mit dem Lake George verbindet. Wir sind nun mitten im Queen Elizabeth National Park, der für seine vielen Tiere bekannt ist. Im Reiseführer wird die Bootstour auf dem Kazinga-Kanal empfohlen, und tatsächlich gehören die 2 h auf dem Boot zu den schönsten Eindrücken der Reise. Wir sehen viele Büffel, Nilpferde, Krokodile, Elefanten, Affen, Vögel – alles erläutert von einem kompetenten und auskunftsfreudigen Ranger. Aber auch an unserem Hostel gibt es Tiere: ein Warzenschwein und jede Menge Mangusten (von denen ich vorher noch nicht mal wusste, dass es sie gibt). Abends bzw. nachts sollen angeblich auch Nilpferde übers Gelände laufen, aber das prüfen wir nicht nach. Bevor es dunkel wird, besuchen wir noch den Rift Valley Garden, der zum Nationalpark-Zentrum gehört und in kleinem Maßstab die Landschaft des Ostafrikanischen Grabens nachbildet, aber leider sehr vernachlässigt ist.
(14.12.) Der Weg aus dem Nationalpark heraus führt uns am Kazinga-Kanal entlang. Es ist noch früh am Morgen, und so sehen wir wieder jede Menge Tiere: Büffel, Gazellen, Buschschweine und einige Elefanten. Löwen soll es zwar auch geben, aber wir sehen keine. Und unser Guide versichert uns, dass er dort noch nie einen gesehen hätte. Trotzdem ist es manchmal schon ein komisches Gefühl, so schutzlos durch die Wildnis zu fahren. Auf der anderen Seite ist das gerade besonders schön: nicht in einem Auto zu sitzen, sondern mittendrin zu sein und in einem gemütlichen Tempo alles in Ruhe anzuschauen. Zurück auf der Straße überqueren wir den Kazinga-Kanal und schauen den Fischern ein wenig bei der Arbeit zu. Es geht noch ein Stück weiter durch die Savanne, und dann beginnen wieder die Berge. Bis zu unserem Tagesziel Rubirizi geht es nur noch bergauf, aber nicht sehr steil und auf einer guten Straße. Nach dem Mittagessen und einem kleinen Einkaufsbummel durch das Dorf machen wir noch eine Wanderung zu einigen Kraterseen. Unterwegs begegnen wir einem Sänger, der auch ein Instrument spielt, und gehen ein Stück zusammen. Wie immer haben wir viel „Anhang“.

Berge
(15.12.) Es geht weiter bergauf und bergab, wobei wir hier auch die Abfahrten genießen können, da die Straßen gut und leer sind. Nachdem wir einen Pass überquert haben, finden wir uns inmitten von Teeplantagen wieder. Unser Guide hat uns die Besichtigung einer Teefabrik versprochen, auf die wir uns schon freuen. Aber es ist Montag, und da wird geputzt. 9 Wir versuchen unser Glück bei einer 2. Teefabrik. Die Situation ist dieselbe, aber wir können uns die Fabrik trotzdem anschauen. Unser Führer durch die Fabrik ist sehr engagiert und gibt sich große Mühe, uns alles zu erklären. Wir lernen nicht nur eine Menge über Teeanbau und verarbeitung, sondern auch, dass die Fabrik den Teebauern gehört. Am meisten beeindruckt mich, dass die Tüten für die Verpackung alle einzeln und mit der Hand geklebt werden … Natürlich kaufen wir am Ende alle ein paar Packungen Tee. Wir fahren noch weiter bis Kashenyi, wo wir in einem sehr einfachen „Hotel“ wohnen. Das ist das sozusagen das untere Ende von allen Quartieren, die wir in den drei Wochen kennen lernen. Auch in dem Ort selbst fühlen wir uns nicht so besonders wohl. Den Markt verlassen wir ziemlich schnell wieder, weil es eng und voll ist. Und es gibt kaum einen Platz, an dem wir in Ruhe sitzen und Tee trinken können. Aber auch das gehört dazu; es bleibt auch wirklich die Ausnahme.
(16.12.) Auf Feldwegen fahren wir über viele Hügel bis nach Rukungiri. Das sind knapp 50 km, die vor allem durch Bananenplantagen und vorbei an Ziegeleien führen. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke. Rukungiri liegt weitab von allen Touristenwegen und ist in unseren Reiseführern nicht zu finden. Wir gucken uns ein wenig die Stadt an, wo wir die einzigen Weißen sind.
(17.12.) Der nächste Morgen empfängt uns mit einem roten Himmel. Unser Guide hat uns einen ereignisreichen Tag versprochen, und den bekommen wir auch. Zunächst fahren wir zwischen blühenden Hecken aus der Stadt heraus. Kurz danach sehen wir den ersten Kronenkranich, das Wappentier Ugandas. Es geht lange bergab, da wir einen Fluss überqueren müssen. In der Nähe der Brücke gibt es eine kleine heiße Quelle, zu der die Einheimischen wegen ihrer heilenden Kräfte kommen. Uns wird auch so schnell warm, denn es geht nun lange bergauf. Wir fahren durch Eukalyptusalleen und vorbei an Weiden mit Rindern. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke. Kurz vor unserem Etappenziel stoppen wir an einem kleinen Bach, wo Banana Beer gebraut wird. Das ist kein Bier, sondern Schnaps, der aus Kochbananen hergestellt wird. Es ist offenbar üblich, dass die Leute den selbst herstellen. Wir haben den unterwegs schon mal probiert. Besonders toll schmeckt er nicht, im Reiseführer wird wegen des möglicherweise enthaltenen Methanols davor gewarnt, aber er ist konkurrenzlos billig: etwas mehr als 1 € für den halben Liter (für die Einheimischen event. noch weniger). Alkoholmissbrauch ist in Uganda ein großes Problem, was wir aus eigener Anschauung auch bestätigen können. Uganda Waragi haben wir auch probiert. Der schmeckt deutlich besser. Üblicherweise wird er in kleinen Plastiktütchen á 100 ml verkauft. Die leeren Tüten sehen wir öfter am Straßenrand. Unser Guide erzählt uns, dass auch viele Autofahrer den trinken – obwohl es natürlich verboten ist. Aber in Uganda ist eine Menge verboten oder vorgeschrieben, um das sich niemand kümmert. Das merkt man als Radfahrer ganz deutlich. Die gefährlichste Situation auf unserer Reise ist ein Beinahezusammenstoß von mir mit einem Auto. Prinzipiell sind Feldwege sicherer als die stark befahrenen Straßen, so dass wir uns dort trotz des streckenweise sehr schlechten Zustandes wohler fühlen. Ich hab jedenfalls immer meinen Helm getragen …
Gegen Mittag erreichen wir Kisizi. Dort gibt es ein großes Krankenhaus, das von Europa aus unterstützt wird und so einen recht hohen Standard bieten kann. Wir wohnen in zwei Hütten direkt neben dem Hospital. Das ist unsere schönste Unterkunft auf dieser Reise, nicht nur wegen des Ausblicks auf den Wasserfall und des leckeren Essens am Mittag und Abend (Rhababerpudding!). Am Nachmittag besichtigen wir das Krankenhaus, inkl. des dazugehörigen Kraftwerks und des Wasserfalls. Ich finde Krankenhäuser schon in Europa bedrückend, und hier ist es noch mal deutlich „schlimmer“. Wobei mir schon klar ist, dass dieses Hospital zu den besseren gehört und es vielen Patienten dort sogar besser als zu Hause geht. Es ist schon ein Unterschied, ob man das nur auf Fotos oder im Fernsehen sieht oder sich das selbst anschaut. Wir können auch mit einigen Ärzten sprechen, die sehr engagiert sind, und hören auch später unterwegs noch mal von den Erfolgen, die dort erzielt werden. Wir sind sehr beeindruckt. Den Abend lassen wir auf der Terrasse vor unseren Hütten ausklingen und bedauern, dass wir nicht noch einen Tag bleiben können.
(18.12.) Auf uns wartet die letzte Tour auf „rural trails“, und die wird noch mal sehr abwechslungsreich. Wir starten zeitig und ganz gemütlich (sanft bergab). Danach geht es viel rauf und runter, wieder mit schönen Ausblicken, u.a. auf einen Kratersee. Fast zu schnell erreichen wir die Straße, wo wir uns erstmal eine Pause gönnen. Und dann fahren wir ca. 15 km nur bergab, nicht zu steil und mit nur wenig Verkehr. Unser Ziel heißt Ntungamo. Nach dem Duschen im Hotel rutsche ich auf den Fliesen aus und zerre mir beim Versuch, den Sturz aufzufangen, die linke Schulter bzw. den Oberarm. Zum Glück haben wir zwei Krankenschwestern dabei, von denen ich erstmal ein Schmerzmittel bekomme. Ich verbringe den Nachmittag im Bett und werde von meinen Mitreisenden mit Leckereien versorgt. Zum Abendbrot wage ich mich wieder heraus und kann so selbst miterleben, wie wir – trotz rechtzeitiger Bestellung – drei Stunden aufs Essen warten müssen. Der Abend war dann nach dem Essen schnell zu Ende.

Zurück nach Entebbe
(19.12.) Am nächsten Morgen habe ich immer noch Schmerzen. Anziehen ist etwas schwierig und überhaupt das Heben des Arms. Da wir „nur“ noch Straßen vor uns haben, traue ich mir aber zu, die Strecke mit dem Rad zurückzulegen. So kurz vor dem Ziel will ich nicht auf den Bus „umsteigen“. Und es geht. Anfahren und Bremsen sind zwar nicht so einfach, aber das ist gar nichts im Vergleich zu dem zunehmenden Verkehr. Die Straße wird immer schlechter, es gibt teilweise keine Randstreifen mehr, und wenn es hinter uns hupt, dann weichen wir schon mal aufs Gras aus. Das macht nicht so richtig Spaß. 9 Kurz vor unserem Tagesziel wird der Himmel wieder dunkel. Als es anfängt zu regnen, flüchten wir uns unter das Dach des nächsten Hauses. Wir schieben gerade die Räder ins Trockene, als sich die Tür öffnet und eine weiße Frau in Nonnentracht herauskommt. Sie besteht darauf, dass wir hereinkommen, etwas trinken und Süßigkeiten essen. Wir erfahren, dass wir in einem Konvent der „Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe“ gelandet sind, unsere Gastgeberin aus Bosnien stammt und schon 10 Jahre in Uganda ist. Wir fühlen uns so wohl, dass wir unseren Guide davon überzeugen, mit der nächsten Gruppe dort auch wieder zu halten. Das letzte Stück mit dem Rad nach Mbarara ist dann eine Quälerei: nasse Straße und viel Verkehr. Aber irgendwann ist das dann auch mal vorbei. Leider regnet es am Nachmittag weiter, so dass der Einkaufsbummel etwas kurz ausfällt. Das war die letzte Gelegenheit, um noch ein paar Geschenke zu besorgen. Dafür ist das Abendessen besonders gut.
(20.12.) Ohne Frühstück geht’s am nächsten Morgen zeitig los, denn uns steht wieder eine Busfahrt bevor. Nachdem wir eine Runde durch die Stadt gedreht haben, finden wir dann einen Bus nach Kampala. Räder umbauen und einladen geht dieses Mal schon viel schneller. Wir kaufen noch was zu essen, und fahren los. Im Gegensatz zur Hinfahrt ist das kein Vergnügen: die Straßen sind schlecht, worauf der Busfahrer keine Rücksicht nimmt. Wir denken mit Sorge an unsere Räder … In Kampala stecken wir im Stau. Der Busfahrer nimmt abenteuerliche Abkürzungen, und wir sehen uns schon mitten im nirgendwo die Räder ausladen und zusammenbauen. Irgendwann erreichen wir dann doch noch den Busbahnhof, aber das wird auch nicht einfacher. Der Bus wird sofort von den Leuten gestürmt, die zurückfahren wollen. Wir kommen kaum aus dem Bus heraus und hoffen, dass wir alle Gepäckstücke erwischt haben. Mit den Rädern dauert es dann noch etwas. Als wir endlich auf selbigen sitzen, stecken wir im Stau. Der Weg aus der Stadt heraus wird zur Gedulds- und Nervenprobe. Nach einer Mittagspause geht es uns viel besser, und wir machen uns gut gelaunt auf den Weg nach Entebbe. Die Strecke kennen wir ja schon. Unser Hotel ist nun weihnachtlich geschmückt. Da es belegt ist, ziehen wir nebenan in ein noch nicht eröffnetes Hotel. Alles kein Problem. Abendessen gibt es wieder im Garten, aber leider ist es nicht ganz so schön wie beim ersten Mal.
(21.12.) Nach dem Frühstück setzen wir uns mit unserem Guide zusammen und werten die Tour aus: wie weit sind wir jeden Tag gefahren, was hat uns besonders gut gefallen, was kann er noch besser machen usw. Dann haben wir aber immer noch ein paar Stunden Zeit, bevor wir zum Flughafen müssen. Wir machen einen Spaziergang zum Viktoriasee und zum Botanischen Garten. Eine kleine Runde schaffen wir noch. Unser Führer erklärt uns die Pflanzen, und wir genießen die Ausblicke. Der Garten wurde von den Engländern vor ca. 100 Jahren angelegt, so dass die Bäume alt und groß sind. In den 30er Jahren sind dort Außenaufnahmen der Tarzan-Filme mit Johnny Weissmüller gedreht worden, was man sich heute noch gut vorstellen kann.

Abschied
Dann heißt es Abschiednehmen. Wir packen unsere Sachen und radeln zum Flughafen. Wir sind 4 h vor dem Abflug da, was sich auch als notwendig herausstellt. Es dauert 2 h, bis wir endlich mit unseren Fahrrädern eingecheckt sind – dieses Mal ohne Aufpreis. Wir warten noch mal 2 h neben unseren Fahrrädern, um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich mit uns ins Flugzeug kommen. Am Ende schieben wir sie selbst noch fast bis ins Flugzeug. Und in Addis Abeba werden wir kurz vor dem Abflug des Anschlussfluges aus dem Flugzeug geholt, damit wir die Kartons noch mal öffnen. Das ist schon aufregend …
(22.12.) In Frankfurt schaffe ich gerade so meinen Zug, der kurz vor sieben abfährt. Draußen sollte es eigentlich mal hell werden, aber es regnet, und alles ist grau. Erst kurz vor Osnabrück kommt die Sonne heraus. In Osnabrück gehe ich mit einer Freundin einen Tee trinken; eine halbe Stunde später geht es weiter nach Berlin. Da ich nun keinen Karton mehr zu transportieren habe, kann ich alleine nach Hause radeln. Als erstes lasse ich mir ein Bad ein …