Reisebericht Senegal Radtour ab Dakar

Senegal 2.2. – 22.2.2014
Reisebericht von Marianne

Senegal hatte 2013 die Einreisebestimmungen geändert und während ich 2007 noch ohne Visum einreisen konnte, bedurfte es nun sogar eines biometrischen Visums. Das hätte bedeutet nach Berlin zu fahren und dort 1-2 Tage zu bleiben um die Fingerabdrücke abzuliefern. Das kam ja gar nicht in Frage. Also ein erster flehentlicher Hilferuf an Michael. Der schickte Unterlagen aus denen hervorging, dass es noch einen anderen Weg gab. Man konnte ein Formular im Internet ausfüllen, 50 Euro überweisen und dann den Zahlungsbeleg und das ausgefüllte Formular per E-Mail an die Botschaft schicken. Als Antwort bekam man dann einen Barcode mit dem man bei der Einreise am Flughafen sein Visum erhalten sollte. Sehr widerwillig machte ich an den ellenlangen Fragebogen und scheiterte nach einigen Seiten an Fragen die ich einfach noch nicht beantworten konnte. Also war der nächste Hilferuf an Michael fällig. Und dann löste sich alles in Wohlgefallen auf. Michael hatte durch Verhandlungen erreicht, dass wir als Gruppe ohne Visum einreisen können. Dazu gab es ein Schreiben der Botschaft und eines des Ministeriums und noch eine Namensliste, die auswies wer alles zur Gruppe gehörte.
Etwas ungläubig und zweifelnd aber in der festen Überzeugung, ich werde schon irgendwie in den Senegal kommen, ging ich zur Tagesordnung, will sagen zu meinen Reisevorbereitungen über.

Sonntag, 2.2.2014
Und dann ging es los. Die beiden Münchner habe ich in Brüssel getroffen und nach einem problemlosen Flug bei bewährt gutem Service von Brussels Airlines kam dann der spannende Moment bei der Einreise im Flughafen. Der Beamte blätterte – natürlich vergeblich – mehrmals den Pass durch auf der Suche nach dem Visum. Da wurde es nun Zeit die Papiere zu überreichen. Der Text besteht zwar nur aus drei Zeilen, aber man kann ganz schön lange daran herumlesen. Kommentarlos winkte er mich schließlich weiter an den nächsten Schalter. Da waren dann Foto und Fingerabdrücke dran. Ja und dann war alles ganz problemlos, ich war im Senegal. Gepäck und Rad kamen auch recht schnell und draußen wartete Swanhild auf uns.

Verladen der Kartons, Taschen und Personen war zwar ein wenig zeitaufwändig, bereitete aber keine Schwierigkeiten. Bald ging es los. Unterwegs gibt es noch eine Polizeikontrolle und der Fahrer muss löhnen, wofür, kann ich nicht herausfinden. Die Fahrt nach Thiès im Feierabendverkehr ist elend lang und allmählich machte sich die Müdigkeit breit nach einem doch anstrengenden und teils aufregenden Tag. Nach der Ankunft Zimmer beziehen und essen und vor allem die restliche Gruppe kennenlernen. Die anderen haben einen Tag Vorsprung, kennen sich schon und sind bereits eine Gruppe. Doch das sollte sich ganz rasch geben.
[inzwischen gibt es eine zahlungspflichtige Autobahn und man kommt schnell und entspannt nach Thiès]

Montag, 3.2.2014
Nach einer unruhigen Nacht – ein raschelndes Tier, das ich weder finden noch vertreiben konnte – trieb es mich schon sehr früh aus den Federn. Noch im Dunkeln mit Kopflampe fing ich an mein Rad auszupacken und zusammen zu bauen. Klappt eigentlich ganz gut bis auf die Bremse. Ich habe einfach nicht die Kraft, sie einzuhängen. Aber auch die fahrradkundigen Männer schaffen es nicht. So bleibt nur, den Spanndraht zu lockern und nach dem einhängen wieder anzuziehen. Auch G. benötigt Hilfe und da zeigt es sich schon, dass wir eine Gruppe sind. Jeder hilft Jedem.
Bei einem kurzen Spaziergang über den Markt fühle ich mich gleich wie zu Hause. Es ist ganz einfach Afrika.

Am Nachmittag geht es zum Projekt ASAFODEB das sich regional um agrokulturelle und soziale Belange kümmert unter Einbeziehung der Bevölkerung. Ich bekomme einen großen Auftritt. Als ich mich im Vortragsraum hinsetze, kracht der Stuhl unter mir zusammen und ich knalle unter lautem Getöse auf den Boden und an die Wand. Peinlich, peinlich. Nun wird mir nicht mehr erlaubt, auf einem Plastikstuhl zu sitzen, es wird extra ein Holzstuhl gebracht.

Die Vorträge sind sehr lang, jeder der Verantwortlichen darf seinen Bereich vortragen, da gibt es natürlich etliche Überschneidungen. Trotzdem war es aber auch sehr interessant. Anschließend gab es gemeinsames Mittagessen: Reis mit Fisch und Gemüse – senegalesisch lecker. Ebenfalls echt senegalesisch aßen wir auf dem Boden gemeinsam von großen Platten. Für mich wäre das eine ideale Möglichkeit abzunehmen, da ich nicht so lange knien kann. Uns zu ehren kam auch noch die Gründerin des Projektes, beantwortete Fragen und schilderte ihren Werdegang. Senegalesischer Tee und ein gemeinsames Foto bildeten den Schluss.
Danach gingen wir noch nach Thialy und besuchten die Bibliothek und beobachteten Kinder in einer Lerngruppe. Zählen auf Französisch stand auf dem Programm, doch als wir kamen mussten die armen Kinder auch noch deutsch zählen. Mit der Pferdekutsche ging es zurück zum Hotel.

Da trotz vereinter Bemühungen das Rad von U. immer noch nicht in Ordnung war, musste ein einheimischer Mechaniker kommen, der in wenigen Minuten die komplizierte Lenkung zusammenbaute und auch noch den Höhenschlag bei R. richtete.
Beim Abendessen gab es dann eine Horrormeldung. Wahrend wir beim Projekt waren, war K. aus seinem Zimmer das gesamte Geld und sein Handy gestohlen worden. Die Stimmung war bei Null. Das Hotelpersonal schwört Stein und Bein, dass es keine Zweitschlüssel für die Zimmer gibt und dass das Hotel ständig überwacht wird. Will heißen: es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ansonsten zeigt man sich wenig beeindruckt.

Dienstag, 4.2.2014
Jetzt geht es endlich los. Alle sehnen den Augenblick herbei, in dem sie den Asphalt unter den Rädern spüren. Wir haben Rückenwind, die Straße ist gut, so könnte es eigentlich ein reines Lustradeln sein, wenn nicht so viel Verkehr wäre. Bei einer Pause lerne ich Kaffee Touba kennen. Ein starker Kaffee mit Kardamom und Zimt gewürzt. Schon bald – es waren insgesamt nur rund 40 km, erreichen wir unser erstes Etappenziel am Atlantik und beziehen unsere Hütten. Da es heiß ist, geht es als erstes an den Strand. Die Brandung ist unerwartet stark. Trotzdem traue ich mich hinein. Rein geht es recht gut aber beim hinausgehen erwischt mich halt dann doch eine Welle und wirbelt mich ordentlich herum. Schön war es trotzdem.
Unter einem sehr provisorischen Unterstand lassen wir uns im Schatten nieder. Da dauert´s nicht lange und es kommt ein junger Senegalese und erklärt uns, dass das sein Unterstand ist. Wahrscheinlich möchte er „Miete“. Er lässt sich bei uns nieder und hilft sogar Kaffee aus einem Lokal in der Nähe zu holen. Und dann kommen die Verkäuferinnen mit Körben voller Schmuck, wunderschönen Tüchern und allem was man gar nicht braucht. Als dann M. ein Tuch kauft gibt es kein Halten mehr, eine ganze Karawane von Händlerinnen zieht an uns vorbei, alle haben das Gleiche anzubieten und alle können gar nicht verstehen, dass wir nicht in einen Kaufrausch verfallen. Entnervt packen wir schließlich unsere Sachen zusammen und flüchten in ein in der Nähe liegendes Lokal und genießen in der Abenddämmerung eine kühle Ingwerlimonade.

Mittwoch, 5.2.2014
Pünktlich um 8.45 starten wir in Richtung Tierreservat. Zunächst geht es gegen den Wind zurück zur Hauptstraße und nach 15 km ist unser Zwischenziel, das Wildgehege von Bandia erreicht. Im offenen Safariwagen geht es durch das Reservat. Rund 1000 Tiere von 15 verschiedenen Tierarten leben hier. Ein bisschen ist es wie im Tierpark. Trotzdem ist der Eindruck ein ganz anderer. Man sieht hier keine Zäune – lediglich die Hyäne ist hinter Gittern und die Tiere bewegen sich in ihrer natürlichen Umgebung. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, so Aug in Aug einem Strauß, einer Giraffe oder einem Nashorn zu begegnen. Gegen Ende der Rundfahrt fragt uns der Führer, ob wir denn auch einen Elefanten sehen wollen. Nachdem alle begeistert „ja“ rufen führt er uns zu einem riesigen, verwachsenen Baobab, der tatsächlich wie ein Elefant aussieht, wenn man im richtigen Winkel davor steht.

Rund 2,5 Stunden dauert die Tour und wir sind hungrig und durstig und auch schon ein bisschen müde. Doch fahren wir erst einmal weiter, um dann im nächsten Dorf Pause zu machen. Dort meldet U. einen ersten Platten. Wegen der Hitze habe ich eigentlich keinen Appetit, da mein Kopf aber weiß, dass mein Körper etwas braucht, teile ich mir mit S. einen Teller Reis mit Spuren von Hühnchen. Das ist sehr lecker und tut sehr gut.
Der Platten von U. entwickelt sich zu einer mittleren Katastrophe. Nach dem Essen ist der frisch geflickte Reifen wieder platt. Mindestens 5 Leute in unterschiedlicher Zusammensetzung beteiligen sich an der Suche nach dem übersehenen Dorn. Es herrscht viel Ratlosigkeit. Die Luft will und will nicht halten.

M´Bour ist das nächste Teilziel. Die Stadt ist verkehrsmäßig ein Graus, vor allem die SUV-Fahrer drängen einen von der Straße. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn neben der Straße wartet häufig ein Sandloch, ein 2 Meter tiefer Graben oder bestenfalls Glasscherben auf einen. Man gewinnt die Gewissheit, dass eine Ziege mehr wert ist als ein Radler, denn für eine Ziege würden sie bremsen.
Einige von uns müssen Geld holen und es beginnt eine lange Suche nach einer Bank mit Automaten. Davon gibt es zwar einige, doch die Automaten sind alle außer Betrieb. Nach rund einer Stunde heißt das Ergebnis: Kein Geld. Wenigstens ich bin erfolgreich. Erstmals gelingt es mir Kleingeld einzutauschen, so dass ich mir endlich einmal etwas kaufen kann.
Dann geht’s wieder auf die Räder. Der Verkehr wird weniger, gelegentlich liegt etwas Schatten auf der Straße und vom Meer her erreicht uns die erste kühle Brise.

Als wir nach einigem Suchen die Einfahrt zur Modellfarm Ndiemane gefunden haben, erwartet uns das „Sahnehäubchen“ der Etappe. Ca. 4,5 km eklige Sandpiste. Trotz aller Sandfahrtipps, kleiner Gang, Gewicht vom Vorderrad nehmen, mit Schwung fahren, fliege ich, aber auch die anderen, immer wieder vom Rad. Letztlich ist das ständig Auf- und Absteigen anstrengender als das Fahren, also ist über weite Strecken schieben angesagt. Doch auch diese Prüfung endet einmal und mit Einbruch der Dämmerung erreichen wir das Camp. Ich habe nur einen Wunsch: jetzt gepflegt duschen und ein kühles Getränk, vorzugsweise ein Bier.

Umso größer ist die Enttäuschung. Kühle Getränke Fehlanzeige, angesichts der Duschmöglichkeit beschließen einige, heute auf diese Erfrischung zu verzichten und beim Anblick des Nachtquartiers bin ich zum ersten Mal froh, dass ich einen Schlafsack dabei habe. Nach einem so langen, heißen und anstrengenden Tag ist dieses Camp ein absoluter Niederschlag. Es ist verwahrlost, überall liegt Gerümpel herum und das Wasser in der Tonne ist ausgesprochen eklig. Alles wird ein wenig aufgewogen durch die große Freundlichkeit der Leute.

Das Abendessen gibt es erst um neun Uhr, dafür ist es sehr lecker und ganz im Gegensatz zum Camp sehr appetitlich angerichtet. (Typisch, die Köchin ist die einzige Frau in dieser verlotterten Männergesellschaft. Das ist zwar pure Diskriminierung, aber in diesem Fall wahr.) Zu meinem persönlichen Pech habe ich mir frischen Salat in Afrika verboten, so esse ich halt Fisch mit Brot.
Gegen Ende des Abendessens kommt atemlos und verschwitzt einer der Mitarbeiter mit einem Eimer voller Bierflaschen an. Er hat sie extra für uns geholt, und da das Motorrad gerade nicht funktionierte ist er zu Fuß ins nächste Dorf gelaufen. Doch auch in diesem Fall wurde unsere Dankbarkeit und Freude durch die Tatsache getrübt, dass das Bier lauwarm war.
Ohne viel zu fragen, ob wir vielleicht müde sind, wird uns ein langes aber so interessantes Video über die Arbeit der Modellfarm und die Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse gezeigt. Es ist schon erstaunlich was bewirkt werden kann, wenn nicht von außen etwas aufgepfropft wird, sondern die Menschen selbst von ihrer Arbeit überzeugt sind.

Donnerstag, 6.2.2014
Am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder besser aus. Allerdings wird unsere Begeisterung durch ein kümmerliches Frühstück gedämpft. Das Baguette ist gedörrt, Margarine müssen wir erst erbitten, Marmelade gibt es nicht. So müssen wir uns an S.s Honig vergreifen, den sie unterwegs gekauft hatte.
Entschädigt werden wir durch eine sehr interessante Führung durch die Gärten. Unser Führer erklärt sehr anschaulich die Methoden der Unkrautvermeidung, ökologische Schädlingsbekämpfung, der Anzucht von Saatgut, Bewässerung usw. Zum Schluss dürfen wir noch in die Schmiedewerkstatt, den Holzsparofen und seinen Erfinder bewundern.
Am späten Vormittag starten wir Richtung Joal und Muschelinsel. Heute bekommen wir unser Sahnehäubchen des Tages gleich zu Anfang, die 4,5 km Sandpiste zurück zur Hauptstraße.
[dieses Projekt wird inzwischen nicht mehr besucht]

Unsere heutige Unterkunft ist das wahre Kontrastprogramm zum gestrigen Camp. Gepflegt, sauber und einladend. Da ist es auch mal wieder Zeit und Gelegenheit für große Wäsche.
Am Nachmittag machen wir eine rund dreistündige Fahrt mit der Piroge durch den Bolong und zur Muschelinsel. Mangroven so weit das Auge reicht, ca. 45 Hektar. Unterwegs sehen wir viele Vögel, auch Pelikane sind dabei. Leider helfen uns die französischen Namen, die uns der Führer nennt nicht viel. Interessant an der Muschelinsel ist der Friedhof, der bis heute von Christen und Moslems gemeinsam genutzt wird. Geht doch! Wie der Name schon vermuten lässt besteht diese Insel nur aus Muscheln. Das Leopold Sedar Senghor Museum können wir leider nicht besichtigen, da es geschlossen ist. So bleibt es bei einem Rundgang durch den Ort, natürlich wieder mit Kaffee Touba.
Bei der Rückkehr ist Ebbe. Das bedeutet, dass wir am flachen Ufer aussteigen müssen und dabei ordentlich in den Morast geraten. Am Abend gibt es Barracuda mit Couscous – vorzüglich!

Freitag, 7.2.2014
Da wir heute nur eine kurze Strecke vor uns haben, ist zum Wohle der Langschläfer ausschlafen angesagt. Entsprechen spät ist der Start erst um 9.30 Uhr. Vor uns liegt eine fürchterliche Waschbrettpiste, bei der es einem das Gehirn aus dem Schädel schüttelt. Auf der Suche nach einer etwas glätteren Spur führt der Weg quer über die ganz Straße von links nach rechts. Wo man dann bei Pech Waschbrett gegen Sand eintauschen kann. Dazu weht ein knackiger Gegenwind. Das heißt auch, dass wir nur langsam vorankommen. Dafür bietet sich uns eine wunderbare Landschaft, der Palmenwald bei Fimela. Von dort aus geht es wieder auf Asphalt weiter. [inzwischen ist die gesamte Strecke asphaltiert] Unterwegs wieder Mittagspause am Straßenrand. Heute gibt es Baguette mit Ei. Als Europäer staunt man, was man so alles in ein Baguette packen kann: Fisch, Fleisch, Ei, Nudeln, Linsen, Bohnen, Erbsen … Für Abwechslung ist jedenfalls gesorgt. Als besonderen Service bekommen wir unser Baguette in eine deutsche Zeitung eingepackt.

Bald sind wir am heutigen Ziel, die Auberge Bouffe, da tut sich uns ein kleines Paradies auf. Gut ausgestattete Hütten, eigentlich Bungalows, ein Swimmingpool, freundliche Schweizer – Herz, was willst du mehr. Während wir uns im Swimmingpool tummeln, lesen oder einfach nur genießen, spielt sich in meinem Nachbarbungalow mal wieder ein Drama ab. U.s Reifen ist schon wieder platt. Sie flicken, wenden den Mantel, pumpen, es ist kein Ende in Sicht. Immer wieder geht jemand von uns anderen hinüber, bietet Hilfe an und bezeugt Mitleid. Doch der Erfolg stellt sich erst gegen Abend ein.

Samstag, 8.2.2014
Wunderbar ausgeruht wache ich auf und freue mich auf den Tag. Da klopft es bei mir. Eine zaghafte Stimme fragt: Bist du schon wach? Könntest du mir einen Schlauch leihen, mein Reifen ist schon wieder platt. Die arme U. Natürlich kann ich.
Bevor ich zum Frühstück gehe, will ich noch schnell mein Rad aufsatteln. Mit Entsetzen stelle ich fest, dass auch mein Hinterrad platt ist. Um mir und der Gruppe den ganz großen Frust zu ersparen gehe ich tatsächlich erst mal zum Frühstück. Es lohnt sich, sogar Schweizer Käse ist dabei. Doch dann geht es unverzüglich ans Flicken. Der Übeltäter ist rasch gefunden, eine klitzekleine Glasscherbe steckt im Mantel. Dann sollte es kein Problem geben. Denkste! Mein Mantel ist asymmetrisch und hat auf der einen Seite einen dicken, Draht verstärkten Wulst, auf der anderen nicht. Alle staunen, so etwas hat noch keiner gesehen. Trotzdem muss er wieder auf die Felge. Das Ergebnis ist frustrierend. Der Mantel ist so schief drauf, dass ich auf dem Seitenprofil fahren müsste. S. knetet und zieht bestimmt eine Viertelstunde lang, doch der Erfolg ist nur sehr mäßig. Ich beschließe, einfach so zu fahren, so lange es geht, damit wir endlich loskommen. Es liegt schließlich eine längere Strecke mit Buschtaxitransport und Bootsfahrt vor uns. (Insgesamt eine sehr mysteriöse Angelegenheit. Als ich in Deutschland das Rad zum Mechaniker brachte, der den Reifen vor drei Jahren montiert hatte, konnte der sich auch nicht erinnern, so etwas schon mal gesehen zu haben!!! Er schickte den Mantel ein und bekam von Marathon die Auskunft, das läge nicht am Mantel, sondern vermutlich an der Hitze! Ha, ha, ha!)

Auf Rappelpiste geht es zunächst zurück zur Kreuzung, dann auf passabler Teerstraße weiter bis zur der Stelle, an der uns ein Buschtaxi weiter befördern sollte. Tja, und dann wird es mal wieder echt afrikanisch. Die ankommenden Taxen sind alle rappelvoll und hoch aufgeladen. Für weitere 9 Radler ist beim besten Willen kein Platz mehr. Ohne Schatten warten wir bis sich endlich eine Mitfahrgelegenheit ergibt. Inzwischen haben wir ausreichend Zeit beim Ein- und Aussteigen und Abladen zuzuschauen. Es ist immer wieder faszinierend dieses Schauspiel zu beobachten. Es gibt nichts – eingeschlossen lebende Tiere – was nicht auf dem Dach eines Busses Platz hat. Und es gibt nichts, was die Einheimischen nicht in Bündeln, Kisten, Plastiksäcken zu Fuß wegschleppen würden.

Endlich kommt ein Bus, der zwar recht voll ist, aber nichts auf dem Dach hat. Jetzt muss es schnell gehen. Die Helfer wuchten die Räder aufs Dach und dann mit den Taschen rein in den Bus. Der ist voll und es gibt nur vereinzelt Lücken. Da aber die Notsitze, die zwischen den Sitzreihen heruntergeklappt werden können, auch alle besetzt sind, muss der jeweilige Sitzinhaber aufstehen und einen durchlassen. Und dann erlebe ich erstmals in Afrika unhöfliche Menschen. Es sind durchwegs Jugendliche beiderlei Geschlechts die sich nicht um alles in der Welt von der Stelle bewegen. Erst als wir unsere Taschen über ihre Köpfe hinweg auf den freien Platz werfen und Anstalten machen, über sie hinweg zu steigen, machen sie gerade so viel Platz, dass man sich hindurch quetschen kann.

Am Anlegeplatz der Fähre haben wir nun eine recht lange Wartezeit vor uns. Weder einmal kein Schatten, aber immerhin ein kühles Getränk gibt es. Eingequetscht zwischen Menschen, Tieren, Autos und jeder Menge Gepäck überqueren wir den Saloum. Nach der Fähre für ca. einen Kilometer, nochmals aufs Rad und zum Campement YouYou. Dort werden wir mit Ataya begrüßt, einem starken Tee mit leichtem Pfefferminzgeschmack. Die Zimmer sind tipp topp auch wenn mal wieder die Klospülung – wie fast überall – tropft.
Und das Meer lockt. Man muss zwar sehr weit durch das flache Wasser laufen, aber es ist nach der Hitzeschlacht des Tages eine wahre Wohltat und ich komme als neuer Mensch aus dem Wasser. Das Abendessen ist einfach genial. Panierte Krabben als Vorspeise und Fisch mit Couscous mit Erdnusssoße als Hauptspeise.
Die Leute dort sind unheimlich freundlich und nett. Im Gespräch erfahren wir, dass die Besitzerin mit einem Franzosen verheiratet ist und jedes Jahr mehrere Monate in Paris lebt.

Sonntag, 9.2.2014
Heute ist Ruhetag!
Nach dem Frühstück stellt sich heraus, das die Schaltung an R.s Rad den Bustransport nicht gut überstanden hat. Doch unsere technisch begabten Männer kriegen es relativ rasch wieder hin. Sie können uns zwar nicht sagen, wie sie es gemacht haben, aber die Schaltung funktioniert wieder.
Am Vormittag gehe ich mit S. in die Stadt zum Einkaufen. Von den angebotenen Aktivitäten, Fahrt mit dem Eselskarren, Pirogenfahrt durch den Bolong oder Faulenzen wählen wir einstimmig letzteres. Es tut richtig gut! Wäsche waschen, lesen, baden, wie ist das Leben schön.

Montag, 10.2.2014
Da wir 75 Kilometer vor uns haben, starten wir schon um 7 Uhr. Trotz des Gegenwindes läuft es am Vormittag ganz gut. Ich achte sehr darauf, immer Windschatten zu haben, den S. bereitwillig gibt. Rappelpiste und löchriger Teer wechseln sich ab. Ich kann mich nicht entscheiden, was mir lieber ist. Da wenig Autoverkehr ist, kann ich die ganze Straße nutzen, um einen möglichst passablen Kurs zu fahren. Das strengt aber auch schön an. Heute gibt es zu Mittag Baguette mit Bohnen, auch gut. Nach der Mittagspause haben wir Rückenwind. Es ist heiß und mein Kreislauf meldet sich. Ich fange tatsächlich an, in der Gluthitze zu frieren. Doch das Ziel Sokone ist zum Glück nicht mehr weit. Wie immer werden wir sehr freundlich empfangen und als erstes gibt es ein kühles Getränk. Da wir bei der Hitze nicht wagen Bier zu trinken und Softdrinks zu süß sind um den Durst zu löschen, mischen wir uns aus beidem ein Radler und schütten es nur so in uns rein. Natürlich merke ich danach, dass auch Radler Alkohol enthält. Zum Glück geht es jetzt zu Fuß weiter zur Piroge, die uns auf die Insel bringt. Während unsere Räder im Hotel bleiben, wird unser Gepäck auf einen Eselkarren geladen und zum Boot gebracht. Wir sind schneller. Der Einstieg in die Piroge ist recht abenteuerlich. Rund eineinhalb Meter muss man hinunterspringen, offensichtlich ist Ebbe. Und dann geht es eine halbe Stunde durch Mangroven: Ich kann gar nicht unterscheiden, ob hier Inseln vor uns liegen oder der Kurs um eine Bucht führt. Ich frage mich, wie die Leute sich hier orientieren können.

Auf der Insel angekommen wird das Gepäck wieder auf einen Eselkarren geladen und wir schleichen die rund zwei Kilometer bis zum Camp, das mitten im Naturschutzgebiet zur Erhaltung der Meeresschildkröten liegt. Dort werden wir für unsere Mühe reich belohnt. Bambushütten liegen verstreut innerhalb von Bauminseln, vor uns der Meeresarm, der schon zum Schwimmen ruft und eine himmlische Stille. Im großzügigen, lichtdurchfluteten Aufenthaltsraum spannen wir bei einem erfrischenden Getränk aus, bis unser Gepäck kommt. Dann die Hütten beziehen und staunen. Alles ist sehr naturnah und sehr liebevoll eingerichtet. Regal, Solarlicht, fließendes Wasser, Klospülung aus der Kalebasse, Dusche …, alles, was der Mensch braucht ist vorhanden. In manchen „Hotel“ findet man das nicht so! Vor der Hütte lädt eine Veranda mit Tisch und Stühlen zum Erholen ein und das ganze mit einem hinreißenden Blick auf die schöne Natur.
Als erstes suche ich meinen Badeanzug und stürze mich in die angenehm kühlen Fluten. Da bleibe ich natürlich nicht lange allein. Wir haben viel Spaß miteinander, bis sich jeder in seine Hütte zurückzieht und die Zeit bis zum Abendessen nach seinem Geschmack vertreibt.
Am Abend gibt es als Vorspeise gebackene Austern, die es an den Mangrovenwurzeln in Hülle und Fülle gibt. Leider muss ich da wegen Allergie passen, werde aber mit einem köstlichen Rohkostteller entschädigt.
Die Tage hier sind so vollgepackt mit Programm und Eindrücken, dazu die Hitze und, nicht zu verachten, eine stramme Radlstrecke, dass wir nach dem Abendessen gleich ins Bett gehen, allerdings schon in Vorfreude auf den morgigen Ruhetag auf der Insel.

Dienstag, 11. Februar
Ausgeschlafen und vergnügt erscheinen alle zum Frühstück. Anschließend bekommen wir von S. eine Runde Unterricht in Wolof, damit wir wenigstens die wichtigsten Floskeln kennen. Ich erkunde anschließend das Gelände, fotografiere und gehe wieder schwimmen.
Nach dem Mittagessen marschieren wir wieder auf die andere Seite der Insel, um mit der Piroge zurück ins Hotel zu fahren, in dem wir unsere Räder gelassen haben. Die Zeit vergeht so rasend schnell, weil auch alles mit Wartezeiten verbunden ist. Tatsächlich dämmert es bereits, als wir in die Stadt kommen. Die Familien sitzen alle vor ihren Häusern, es wird gekocht und gegessen. Es ist ein sehr harmonisches Bild.

Mittwoch, 12. Februar
Wieder fahren wir sehr früh los, da nochmals 75 Kilometer zu überwinden sind. Auf guter Teerstraße flutscht es bis zur gambischen Grenze. Die Grenzbeamten stutzen wieder, weil wir kein Visum haben und wieder müssen unsere Bescheinigungen vorgezeigt werden. Probleme gibt es aber nicht. Dafür aber jede Menge Aufsehen, Weiße, die mit dem Rad von Dakar bis an die gambische Grenze fahren, das gibt es einfach nicht. Und dass ich auch die ganze Strecke mitgefahren sein soll, das packen sie endgültig nicht. Vor lauter Begeisterung lädt uns einer der Offiziere auf einen Kaffee Touba ein.  

Am Ufer des Gambia angekommen gibt es einen langen Aufenthalt. S. musste los, um die Tickets zu besorgen. Wir ergatterten einen schmalen Schattenstreifen an der Mauer einer Bank und warteten und warteten und beobachteten das Markttreiben um uns herum. Doch nicht sehr lange. Im Nu waren wir von Mädchen und Burschen umringt, die uns etwas verkaufen oder einfach nur reden wollten. Und wir bekamen einen deutlichen Vorgeschmack auf die gambischen Beachboys. Sie knabbern einem das Ohr ab. Und was sie nicht alles wissen, leider alle das Gleiche: „Gambia – The Gambia! – ist schön freundlich, fröhlich und gut. Der Präsident freut sich, dass du da bist. Er freut sich noch mehr wenn du meine Mütze mit den gambischen Farben kaufst, du bist schön, ich wollte schon immer eine deutsche Freundin haben, dass du verheiratet bist macht nichts, du brauchst noch einen gambischen Mann …“ Das ersten Mal ist es noch ganz witzig, aber ab dem dritten Mal wird es langweilig und nach dem fünften Mal fängt es an zu nerven. Aber wir sind ihnen hilflos ausgeliefert. S. kommt und kommt nicht. Als sie endlich erscheint hat sie leider keine Tickets, der Drucker geht gerade nicht. Wenigstens nimmt sie uns die Beachboys ab. Jung, hübsch und der Landessprache mächtig, ist sie natürlich der absolute Magnet. Doch sie muss wieder weg in der Hoffnung, dass der Drucker wieder geht. Die jungen Gambier laufen zu ihrer Höchstform auf. Zusammen mit der Hitze sind sie nur schwer zu ertragen. Doch, Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Endlich kommt S., diesmal mit Tickets und wir dürfen schon mal in den „Vorhof“ zur Fähre. Um uns herum drängen sich die voll bepackten Menschen, Motorräder, Lastwagen mit unglaublichen (afrikanischen) Ladungen, Tiere, natürlich in der prallen Sonne. Als wir aufs Schiff dürfen, werden wir zum Glück auf der Seite an einen überdachten und damit schattigen Platz gewiesen. Zunächst fühlt sich alles ganz locker an. Ich ergattere ein dickes Rohr auf dem ich mich setzen kann. Das sollte sich jedoch rasch ändern. Erst einmal keifte eine Afrikanerin, die Brote verkaufte, ganz fürchterlich. Da S. Wolof kann, erfuhren wir, worum es ging. Sie beschwerte sich über einen jungen Konkurrenten, der nach ihrem Wissen keine Lizenz zum Verkaufen hat. Nur sie habe eine. Dann ging es Schlag auf Schlag. Eine junge Afrikanerin mit einer großen Schüssel voller Beutelchen mit Nüssen eilte auf mich zu, knallt die Schüssel auf den Boden, wirft ein Tuch darüber und hockte sich daneben hin. Aha, wieder eine ohne Lizenz! Allerdings konnte ich einen etwaigen Kontrolleur nicht ausmachen. Zunehmend wurde es voller. Viele meist junge Frauen mit Kindern drängten herein, hockten sich auf ihr Gepäck und saßen entweder stumm für sich alleine da oder schwatzten mit ihren Nachbarinnen. Es war mal wieder Afrika pur. Ich würde ja so gerne fotografieren, traue mich aber nicht. Ich wurde von zwei Mammis auf Margarineeimern bedrängt, so dass ich nicht mehr aufstehen konnte. Dazwischen drängten pausenlos Verkäufer und Verkäuferinnen und boten ihre Waren feil. Von Nüssen über Obst und Sandwichs bis hin zu Zahnbürsten, Rasierapparaten und Parfums war alles geboten. Gleichzeitig konnten wir afrikanische Kindererziehung beobachten. Auch da gab es eine breite Palette. Von liebevoll umsorgen bis verwöhnen bis hin zu so deutlicher Zurückweisung, dass es mir weh tat, konnte ich alles sehen. Zwischendurch erstehe ich eine frische Kokosnuss, die die junge Verkäuferin geschickt mit einem riesigen Messer verzehrbereit macht und trinke und esse genüsslich.

Die Fahrt dauerte fast eineinhalb Stunden, aber es wurde nie langweilig und endlich begrüßte uns ein Transparent mit einem Willkommensgruß. Nun schieben sich die Massen wieder von Bord und wir schwingen uns auf die Räder, um auf dem Banjul-Highway möglichst rasch die Stadt zu verlassen. Auf dem vierspurigen Highway geht es ganz gut. Aber als wir die Schnellstraße verlassen, wird es wieder zum Horrortrip. Es fehlen mir einfach die Worte, das Verkehrschaos zu beschreiben. Erschwert wird das Ganze durch einen gambischen Rennradler, der sich als Führer aufspielt und mit seinen sicherlich gut gemeinten aber sehr verwirrenden Gesten und Anweisungen nur Verwirrung stiftet. S. muss ihm Einhalt gebieten. Mit den Nerven ziemlich fertig erreichen wir unser Hotel. Der Zustand ist mehr als jämmerlich. Doch ich kann mich nicht wirklich darüber ärgern. Es ist nur bestürzend und traurig, wie so eine schön und pompös angelegte Anlage verkommt. Es gibt keine Türklinke, die Schiebetür zur Nasszelle ist einbetoniert, es rinnt an allen Ecken und Enden, der einst parkähnlich angelegte Garten bietet einen traurigen Anblick. Da kommen schlechtes Material, fehlende handwerkliche Fähigkeiten und ein mangelnder Sinn und oder Geld für Erhalt zusammen. Schade!

Um uns zu entspannen, gehen M. und ich ans Meer um ein abendliches Bad zu nehmen. Ich hatte allerdings nicht mit den Beachboys gerechnet. In Windeseile haben sich mehrere um uns versammelt und dann geht die bereits bekannte Leier wieder los. Dezente Hinweise, dass wir nach einer anstrengenden Radtour müde sind, dass wir in einer Gruppe unterwegs sind und keinesfalls alleine Aktivitäten unternehmen werden, fruchten nichts. Ohne Punkt und Komma reden sie auf uns ein. Ich frage mich, wann sie eigentlich atmen. Schließlich ziehen wir frustriert aber immerhin erfrischt ab. Beim Rückweg über den Parkplatz bedrängen uns die nächsten. Da platzt mir der Kragen. Ich erkläre ihnen, dass ich ihre Story heute schon mindestens zehnmal gehört habe und keine Lust auf ein weiteres Mal habe. Okay, heißt die Antwort und sie gehen weg.

Donnerstag, 13. Februar
Da wir in Gambia sind, einer vormals englischen Kolonie, gibt es sogar Eier zum Frühstück. Es ist schon erstaunlich, wie lange sich die Gewohnheiten der ehemaligen Kolonialherren noch halten.
Heute geht es nach Tumani Tenda. Darauf freue ich mich riesig. Dieses Camp habe ich in bester Erinnerung. Auf guter Straße fahren wir bis nach Brikama. Der Starke, in Böen sturmartige Wind kommt je nach Straßenverlauf von der Seite und ab und zu von hinten. Ich suche mal wieder Windschatten. Im Ort angekommen ist Mittagspause und ein kurzer Gang über den Markt angesagt. Ein lästiger Polizeioffizier erinnert uns wieder dran, dass wir in Gambia sind. Er kommt zu uns in den Garten des Lokals in dem wir uns ausruhen und mit einem Getränk erfrischen wollen und geht bis zum Aufbruch nicht mehr von der Fahne.
Natürlich bekommen wir auch heute wieder ein Sahnehäubchen. Die Sandpiste nach Tumani Tenda ist noch genauso mies wie ich sie in Erinnerung habe. Herzlicher Empfang, kühles Getränk und ein Bad im Meeresarm. Da Ebbe ist, wird es eher ein Schlammsitzbad, nicht ganz das reine Vergnügen doch erfrischend. Am Abend gibt es Hühnchen mit Nudeln und Gemüsesoße, wie immer sehr wohlschmeckend.

Jetzt wird es wieder afrikanisch. Einige der jungen Frauen holen sich ihre Djembe und am Lagerfeuer wird gesungen und getanzt. So viel Spaß und Freude ist ansteckend. Wir revanchieren, besser gesagt blamieren, uns mit einem zaghaft gejaulten „Der Mond ist aufgegangen“. Zum Dank versprechen wir unseren Musikerinnen, dass wir ihnen morgen das Radfahren beibringen. Das löst große Begeisterung aus. Bei so viel Vergnügen wird es heute, natürlich spät. Aber das macht nichts, denn morgen ist ja wieder mal ein Ruhetag.

Freitag, 14. Februar
Nach dem Frühstück gibt es einen Vortrag über das Tumani Tenda Projekt. Anschließend besucht M. die Schule im Dorf. Wir anderen starten mit dem Unterricht Fahrradfahren. Auch hier wieder viel Spaß und auch Erfolg. Mein Rad ist besonders begehrt, weil es schön klein ist. Die größte Schwierigkeit bereitet eigentlich das Aufspüren von Strecken wo der Sand nicht so tief ist. U., G. und C. machen eine Führung durch das Gartenprojekt mit und kommen sehr beeindruckt wieder.

Samstag, 15.Februar
Diesmal gibt s einen verspäteten Start. Das liegt aber nicht an der Gruppe, sondern am Bäcker, der das Brot nicht fertig hat. Hier fällt mir auf, dass während der rund halbstündigen Wartezeit nichts für das Frühstück vorbereitet wird. Als das Brot dann kommt müssen wir Messer, Butter, Marmelade einzeln erbitten. Ist auch das afrikanisch?
Das Sahnehäubchen gibt es heute gleich zu Beginn, 15 Kilometer Sandpiste zur senegalesischen Grenze. Eigentlich schade, aber vor lauter Aufpassen, dass man nicht in einem Sandloch verschwindet, hat man gar kein Auge für die wunderschöne Landschaft. Es ist wunderbar ruhig, kaum Dörfer und vor allem keine „Toubab“ schreienden Kinder.
An der Grenze wieder die vergebliche Suche nach dem Visum, das Erstaunen über die radelnden Toubabs, das Vorweisen der amtlichen Schreiben. Etwas schwieriger wird es bei der Wiedereinreise in den Senegal. Der Beamte hält nicht allzu viel von unseren Dokumenten. Auch auf der Teilnehmerliste müsste ein amtlicher Stempel sein. Er lässt sich auch von S.s Wolofkenntnissen nicht beeindrucken. Vorsichtshalber ziehe ich mich zurück. Vor dem Haus bekomme ich dann wieder einmal einen großen Auftritt. Eine weiße, radelnde Oma kriegen sie wohl nicht allzu oft zu sehen. „The Gambia ist proud of you“, ruft mir einer der Gambier zu. Dann kommt sichtlich erleichtert S. Wie auch immer, sie hat es geschafft, dass wir weiterfahren können.
Jetzt gibt es für mich eine Riesenüberraschung, es lockt gebügelter Asphalt zur flotten Weiterfahrt bis nach Diouloulou. Dort treffe ich während der Mittagspause meinen „afrikanischen Sohn“ der letztlich doch nicht mein Sohn ist sondern sein Bruder. (Doch das ist eine andere, eine recht afrikanische Geschichte.)
Und dann gibt es noch eine äußerst angenehme Überraschung. Auch die Straße nach Kafountine ist frisch geteert. Diese Strecke hatte ich als heiß und quälend in Erinnerung. Doch heute auf Teerdecke mit kühlem, mäßigen Gegenwind waren die 24 Kilometer überhaupt kein Problem. Nach einer kurzen Kaffee Touba Pause erreichten wir unser Ziel. Kafountine erkannte ich kaum wieder, so sehr hat es sich in den sieben Jahren verändert. Anders war das bei Stefanie. Nur ein sekundenlanges Stutzen und wir fielen uns um den Hals. Es war schon ein ganz besonderes Gefühl im tiefsten Senegal eine Bekannte wieder zu treffen. Am gemütlichen Sitzplatz hocken, Bissap trinken und Erinnerungen austauschen. Das Leben ist mal wieder besonders schön. Doch dann ruft das Meer. Es ist recht kabbelig und angenehm kühl, aber draußen weht ein kalter Wind, der das Liegen am Strand zu keinem Vergnügen werden lässt.
Immerhin gab es keine Beachboys. Also machen wir uns frierend wieder auf den Heimweg. Die kalte Dusche bei Stefanie gibt mir endgültig den Rest. Trotz Socken und Fließjacke friere ich weiter. Das Abendessen erwärmte wenigstens mein Herz. Stefanie hatte einen jungen Koch engagiert und der lieferte sein Meisterwerk ab. Die senegalesische Küche ist insgesamt sehr schmackhaft, aber diese Kreation stellt alles Bisherige in den Schatten. Obwohl die Gruppe schon seit Tagen vom Karneval in Kafountine schwärmt, gehen wir doch alle müde ins Bett.

Sonntag, 16. Februar
Stefanie ist einfach ein Schatz. Schon um halb acht Uhr steht heißes Wasser auf dem Tisch, so dass ich noch bevor die Langschläfer auftauchen, schon mal eine Tasse Kaffee zu Gemüte führen kann. Bei der Erkundung des Geländes stelle ich fest, dass Stefanie ihr Camp deutlich erweitert hat. Erst nach und nach finde ich unter all dem Neuen die Sachen, die ich schon kenne. Ich liebe Afrika, aber eine ordnende europäische Kraft in all der Improvisation ist einfach nicht zu verachten.

Es gibt ein köstliches Frühstück mit Wurst, Käse, Tomaten Orangen … Um zehn Uhr sind wir in einem Projekt angemeldet. Dort betreuen sie junge Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren, bringen ihnen Lesen und Schreiben bei falls nötig und bilden sie in Hauswirtschaft, Schneiderei und Landwirtschaft aus. Sie bieten ihnen die Möglichkeit, einmal auf eigenen Füßen zu stehen. Es wirkt alles sehr beeindruckend und überzeugend.
Anschließend unternehmen wir einen Einkaufsbummel entlang der Hauptstraße. Als Mittagessen gibt es heute Omelette in Baguette, sehr empfehlenswert. Dann brechen wir auf in ein neu gegründetes Diola-Museum. Es stellt sich als eine One-Man-Show heraus. Es ist alles sehr außergewöhnlich, fremd aber teils auch interessant. Der Besitzer ist ein ehemaliger Christ, der sich nun dem Animismus verschrieben hat und die verschiedenen Götterstatuen und Masken sammelt. Für mich sehr interessant ist die Tatsache, dass er noch immer ein goldenes Kreuz an einer Kette um den Hals trägt und an einer Seitenwand des Hauses auch einige Kruzifixe stehen hat. Ich werde den Verdacht nicht los, dass er sich nach allen Seiten absichern will. Er ist übrigens noch ein vorzüglicher Koch, was wir beim Abendessen feststellen können.
Ja und dann ist unser Ruhetag auch schon wieder vorbei. Man glaubt ja gar nicht, wie man einen Pausentag vollpacken kann. Ich habe es weder geschafft, die Werft noch den Fischereihafen zu besichtigen, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte.

Montag, 17. Februar
Am nächsten Morgen heißt es dann Abschied nehmen von Stefanie und ihren beiden Hunden Emile und Felix. Es weht immer noch der starke kalte Wind und ich fahre voll angezogen los. Obwohl ja Radfahren anstrengend sein soll, kann ich mich bis Diouloulou nicht richtig erwärmen. Dort kann ich mich noch von meinem afrikanischen Sohn verabschieden und U.s Rad, das schon wieder platt ist, wird mit neuem Schlauch und Mantel bestückt. Auf guter Straße durch eine wunderbare abwechslungsreiche Landschaft geht es nach Baila.
Das Camp ist in einem jämmerlichen Zustand. Die Tür zu meinem Zimmer hat weder Klinke noch Schloss, dafür aber viele Löcher. Durch eines dieser Löcher ist ein dickes Seil mit Knoten gezogen, damit man die Tür zuziehen kann. Ich habe die ganze Zeit so ein seltsames Gefühl. Einerseits scheint manches bekannt, anderes aber völlig fremd. Erst als ich auf Klo gehe fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Der ebenso primitive wie praktische Verschluss der Türen hat mich vor 7 Jahren schon begeistert. Hier war ich schon mal. Nun mache ich mich gezielt auf die Suche. Das Haus, in dem wir damals geschlafen haben, ist nur noch eine Ruine. Teilweise ist das Dach eingefallen und in den Zimmern sind riesige Termitenhügel. Im Gebälk tummeln sich die Fledermäuse. Der Aufenthaltsraum, der mich damals mit seinen wunderschönen Wandmalereien begeisterte, wird nicht mehr genutzt. An seiner Stelle gibt es nur einen carportähnlichen Unterstand. Ich bin entsetzt darüber, wie diese ehemals schöne und gepflegte Unterkunft herunter gekommen ist.

Dienstag, 18. 2.
Dieses Camp verlasse ich am nächsten Morgen richtig deprimiert. Wir bestaunen das selten kreative Denkmal für die französisch senegalesische Freundschaft vor dem Camp, einen weiß gekachelten Würfel.
Wenn man mal vom Sand absieht, der mir immer wieder mal die Freude raubt, ist es die schönste Etappe der ganzen Tour. Schattige Waldstrecken wechseln sich ab mit Landschaften von unglaublicher Weite, gesäumt von Palmen. Dazwischen liegen idyllische, saubere Dörfer mit freundlichen Menschen, die sich über einen Gruß freuen und uns zuwinken. Das Beste ist aber, dass es hier keine hysterisch schreienden Kinder gibt. Sie stehen einfach staunend am Straßenrand.
Zum Mittagessen gibt es heute Erbsen in Baguette, besonders lecker!
Leider gibt es am Ende der Etappe wieder das unvermeidliche Sahnehäubchen. In glühender Hitze schiebe ich die meiste Zeit recht steil nach oben. Oben angekommen hoffe ich angekommen zu sein. Nein! Jetzt geht es nach einer Abzweigung nochmals zwei Kilometer steil und praktisch nicht zu fahren nach unten.
Endlich ist das Camp erreicht. Es ist richtig urig. Ein unverputzter Rundbau, ein bisschen düster wirkend aber in gutem Zustand. Es versöhnt mich wieder mit Afrika. Am späten Nachmittag machen wir noch eine rund zweistündige Wanderung durch die Landwirtschaft. Unser Führer erklärt uns anschaulich die Ziele und vor allem die Verwendbarkeit und Wirkungsweise der Pflanzen und Bäume. Mehr als spannend.
Abends im Bett flappert es dauernd über mir. Von S. vorgewarnt, weiß ich dass es Fledermäuse sind, die hier im Dach wohnen. Trotzdem ist es ein bisschen unheimlich mit nur dem dünnen Moskitonetz zwischen den Viechern und mir. Erst als ich mit dem Lesen aufhöre und das Licht lösche ist Ruhe. Gott sei Dank.

Mittwoch, 19.2.
Erst auf Sand, dann guter Piste und zuletzt auf einer gepflasterten Straße geht es nach Ziguinchor. Unterwegs hatte ich auf den diversen Märkten meine Kaufgelüste zurückgestellt. Die wollte ich im village artisanal befriedigen, das wir gleich nach dem Frühstück aufsuchen. In baufälligen Verschlägen boten sehr aufdringliche Verkäufer ihre Waren an. Überwiegend gibt es Holzarbeiten, bei allen das gleiche, typische Touristenware bei den Textilien und dann noch wenige Schmuckstände und einen mit zauberhaften Biegepüppchen. Da bin ich aus Burkina Faso oder Benin ganz anderes gewöhnt. Schließlich erstehe ich eine kleine Skulptur und eines der Püppchen, das wir S. zum Abschied schenken wollen.

Donnerstag, 20.2.
Bald wird es Zeit zu packen und zum Hafen zu fahren, wo wir aufs Schiff gehen wollen, um nach Dakar zu schippern. Bevor wir an Bord gehen, verköstigen wir uns an einem Stand vor den Toren. Da es auf dem Schiff sehr teuer sein soll, nehme ich mir noch Vorrat für den Abend mit. Ich bestelle ein Baguette mit Fleisch und eines mit Krabben. Ich kann nur staunen, was die nette Verkäuferin so alles in Brot hineinpackt, Majonäse, Tomaten, Ei, Zwiebelsoße und natürlich Fleisch bzw. Krabben. Das ist mehr als eine komplette Mahlzeit. Zusammengedrängt in einem schattigen Eckchen am Eingang zum Hafen machen wir uns bereit an Bord zu gehen. U. erklärt kategorisch, ihr Pannenrad nicht mehr mitzunehmen. Sie will es einfach hier im Hafen stehen lassen. Ein Alternativvorschlag lautet, es doch der netten Afrikanerin anzubieten, bei der wir eben unsere leckeren Brote gekauft hatten. Da gab es dann gleich zwei Glückliche, einmal U. die endlich eine große Sorge los wurde und die Afrikanerin, die ihr Glück kaum fassen konnte. Mit einem Gruppenbild wurde der Anlass gefeiert.
So versorgt und entsorgt begeben wir uns in das Chaos, das mich stets aufs Neue nervt, amüsiert und zur Bewunderung zwingt, wenn sich dann alles in Wohlgefallen aufgelöst hat. Mal wieder Afrika pur. Diese Massenauftritte haben es einfach in sich. S. geht die Tickets besorgen und wir warten so lange in einer riesigen Halle, in der sich schon das ganze Warenlager befindet, das noch an Bord soll. Dann geht es zum Sicherheitscheck, schlimmer als im Flughafen, werden wir zweimal um das Gebäude herumgeschickt, bis wir uns einreihen dürfen. Dann gibt es nochmals reichlich Verwirrung bei der Gepäckkontrolle. Die Anweisung hieß, wir dürfen nur ein Gepäckstück in die Kabine mitnehmen. Eines müssen wir abgeben. Einige hatten eine ihrer Packtaschen gleich am Rad gelassen und hatten also nur eine dabei. Doch auch das wurde ihnen abgenommen. Heiße Diskussionen sind die Folge, die jedoch durch die Ordner sehr rasch beendet wurden, indem sie uns einfach weiter winken. Entnervt suchen wir unsere Kabine. Das ist ja mal eine Überraschung. Acht blitzsaubere, gemütliche Kojen erwarten uns, sogar ausreichend Stauraum ist vorhanden. Nun heißt es erst einmal das Schiff erkunden. Solange es noch warm ist, sind wir die meiste Zeit an Deck. Nun können wir das Beladen des Schiffs von oben beobachten. Unmengen Gepäckstücke, LKWs, Autos und Menschen schieben sich die Rampe hinauf. Autos, die nicht mehr fahren, werden von freiwilligen Helfern in den Bauch des Schiffes geschoben. Es will einfach kein Ende nehmen. Irgendwann gehen auch unsere Räder an Bord. Nach dem Auslaufen bewundere ich die vorbei ziehende Natur und beobachten die Seeschwalben, die im Kielwasser geschickt Fische fangen. Sogar Delphine können wir sehen, die das Schiff ein Stückchen begleiten. Insgesamt ist sehr viel Zeit herum zu bringen. Ich packe eines meiner Brote aus und als ich mir an der Bordbar ein Getränk dazu kaufe, kann ich feststellen, dass die Preise tatsächlich atemberaubend sind. Als die Sonne untergeht, wird es schlagartig kalt. Eine Weile treibe ich mich im Schiff herum dann ziehe ich mich in meine Koje zurück und lese. Auf den Gängen sind inzwischen an allen Handläufen schwarze Tüten angebunden. Nach kurzem Überlagen, was das denn soll, fällt mir ein, es soll ja Menschen geben, die seekrank werden. Vorsichtshalber nehme ich mir auch eine mit. Als wir das offene Meer erreichen fängt es tatsächlich an deutlich zu schaukeln. Ich lasse mich in den Schlaf wiegen und wache am nächsten Morgen gut ausgeruht auf. Mit R. gehe ich den Speisesaal zu einem ersten Kaffee, für ein ganzes Frühstück reicht das Geld nicht mehr. Als der Hafen von Dakar erreicht ist, beobachten wir das Anlegemanöver und das Ausladen des Schiffes, das sehr zügig vorangeht. Wir dürfen erst bei Helligkeit von Bord.
Nach einer erneuten Kontrolle – warum eigentlich?- suchen wir als erstes unsere Räder und das Gepäck. Alles ist da. Nach einem kurzen Frühstück noch in der Stadt radeln wir hinaus zu einem Hotel, wo wir unsere Sachen lassen können, bis wir am Abend abfliegen. Noch haben wir ja Programm, die Besichtigung der Insel Gorée. Ich merke, dass ich mich eigentlich gar nicht mehr darauf einlassen kann, weil mich längst das Reisefieber gepackt hat. Mit zwei Taxen wollen wir zum Hafen fahren. Da merke ich, dass in Dakar die Uhren anders gehen. Ein Taxifahrer weigert sich, fünf Personen zu befördern, er könnte von der Polizei kontrolliert werden, das will er nicht riskieren. Und dann erlebe ich einen Taxifahrer der sich im Auto anschnallt. Das habe ich in sieben Jahren Afrika und unzähligen Taxifahrten noch nicht erlebt!
Vor dem Zugang zur Fähre findet wieder ein umfangreicher Sicherheitscheck statt. Bei mir piept es an allen Ecken und Enden, was ich gar nicht begreifen kann. Die Angestellte fragt mich eindringlich mehrmals ob ich denn Metall in meinen Taschen habe. Im festen Glauben, dass das nicht sein kann, behaupte ich: Nein. Da winkt sie mich durch. Sehr viel später fällt mir ein, dass ich ja meine metallene Trinkflasche in der Tasche habe. Was soll dann eigentlich der Sicherheitscheck?
Gorée wird zu einem sehr interessanten, eigentlich erschütternden Ausflug. Man kann gar nicht fassen, was der Mensch dem Menschen antut.
Nach der Rückkehr zerlege ich erst einmal mein Rad für die Verpackung im Karton. Leider werden die Kartons erst am Abend kommen. Dann wäre eigentlich Duschen angesagt. Zwei Türen stehen zur Auswahl. Als ich in die erste Kabine hineingehe, steht in der Ecke neben der Dusche ein Mann am Urinal. Falsche Tür, also schnell wieder raus. Dann eben durch die zweite Tür: Noch falscher, denn ich stehe vor 4 Urinalen und keiner Dusche. Da stellt sich die Frage, duschen mit möglicher Männerbegleitung oder nicht duschen. Angesichts der großen Hitze geht der Wunsch nach einer Abkühlung und Reinigung vor, man muss sich ja schließlich nicht so anstellen.
Etwas verspätet kommen nach sieben Uhr endlich die Kartons. Es bricht schlagartig Hektik aus. Es pressiert wirklich, denn die Dämmerung bricht schon herein. Obwohl alles vorbereitet ist, müssen die letzten Handgriffe im Dunkeln bzw. mit Stirnlampe erledigt werden. Eine Stunde früher, wäre alles viel relaxter vonstatten gegangen.
Doch auch nachdem endlich alles im Bus verstaut ist werde ich nicht ruhiger. Der Feierabendverkehr lässt die Fahrt zum Flughafen zur Geduldsprobe werden. Wir hangeln uns von Stau zu Stau und ich befürchte, dass wir nicht rechtzeitig zum Einchecken kommen. Das Aufgeben der Räder erweist sich als schwierig und vor allem teuer. Hundert Euro sollen wir für den Transport bezahlen. Also wieder raus aus der Schlange und zum Kassenschalter. Dort scheint man alle Zeit der Welt zu haben. Der Angestellte kennt sich nicht aus, tippt ewig an seinem PC herum, muss durch das ganze Büro um den Ausdruck zu holen, sucht das Lineal das er benützt um den Abschnitt abzutrennen und nimmt dann gnädig meine Visa-Karte entgegen. Entnervt nahm ich meine Bordkarte entgegen und reihe mich in die endlos lange Schlange vor dem Sicherheitscheck ein. Erst an Bord der Maschine kann ich mich entspannen und schlafe dann meiner Ankunft in Deutschland entgegen.
Wieder ist ein unvergessliches, anregendes, bereicherndes Afrikaerlebnis zu Ende gegangen.

S ympathisch
W olofkundig
A nimierend
N atürlich
H erzlich
I dealistisch
L achend
D uldsam