|
Reisebericht zur Fahrradtour Burkina Faso
von Michael Franke Die Reise war von Afrika-erleben/Michael Franke als Pilottour organisert.
Freitag 8.2.
In unmittelbarer Nähe der Unterkunft gibt es einen kleinen Markt, wo wir Kartoffeln, grüne Bohnen, Paprika, Blumenkohl, Tomaten, Auberginen, Zucchini etc. entdecken und uns zum Frühstück schnell ein paar Mangos holen. So fängt der Tag gut an. Anschließend fahren wir zu einer der zahlreichen Busgesellschaften. Pünktlich um 10:00 Uhr gehen zwei Busse nach Bobo. Im Schalterhäuschen schiebe ich mich diskret nach vorne und bekomme noch Tickets für den klimatisierten Bus. Ein Rad kommt noch mit; für die anderen sei jetzt kein Platz bzw. auch keine Zeit mehr zum Umräumen; die Räder sollen mit dem 14:30 Uhr Bus nachkommen und wir könnten sie gegen 19:30 Uhr am Busbahnhof in Bobo abholen, heißt es. Die Straße ist gut ausgebaut, es sind nur wenige andere Fahrzeuge unterwegs. Bald wird das Video eingeschaltet - es läuft ein Film teilweise in einheimischer Sprache, teils in frz., von dessen Inhalt wir nur wenig mitbekommen. Nur so viel ist zu verstehen: ein großes Drama, denn Pascal ist gestorben, seine Witwe ist mit dem Testament nicht einverstanden und will es anfechten. Der Blick pendelt zwischen den Monitoren im Bus und der Landschaft draußen - gerade noch rechtzeitig sehen wir, daß kurz vor Boromo drei kleine Elefanten am Straßenrand stehen. Nach der Ankunft in Bobo Dioulasso begeben wir uns zur Unterkunft. Einige von uns gehen Obst einkaufen und kommen mit Mangos, Orangen, Ananas und Wassermelonen zurück.
Sonntag 10.2. Wir starten zu unserem ersten Fahrradausflug, kommen am "Place de la Femme" auf die Straße nach Ouaga. Ohne Schwierigkeiten finden wir den Weg nach Borodougou, lassen die Räder im Ort und marschieren mit vier jungen Männern in die Felsen. Eine bizarre Felsenlandschaft breitet sich aus, gefolgt von einem Gang zu den alten Wohnhöhlen, bei denen sich auch in den Fels gebaute Getreidespeicher aus Ton finden. Wir sehen ein altes traditionelles, in die Felsen gebautes Dorf. Oben im Ort haben wir einen guten Blick in die Ebene. Der Ort ist unterteilt in die Wohnviertel der Bauern und die der Schmiede und Töpferinnen. Die Bauern leben zur Zeit der Feldarbeit verstreut in der Ebene. Erst lange nach der Ernte, mit einem großen Fest am 14. Februar, kehren sie ins Dorf zurück. Im Anschluß an den Dorfbesuch radeln wir noch zu einem nahe gelegenen Markt, der jeden Tag an einem anderen Ort stattfindet. Dort probieren wir wieder ein paar neue Sachen aus, z.B. frittierte Süßkartoffeln und einen kleinen Schluck Dolo, das frisch gebraute Hirsebier.
Montag 11.2.
Ein geschlängelter Weg führt am offiziellen Eingang in den Wald von Kou, am Wasserlauf vorbei und endet nach ca. 15 Minuten an einer Badestelle. Klares und warmes Wasser, fester Boden - ein phantastischer Platz. Man kann etwas schwimmen, sich gegen die Strömung den Wasserlauf hocharbeiten und sich dann wieder zurück treiben lassen. Wir hatten uns gut eingedeckt um ein großes Picknick zu machen: Melonen, Mangos, Gurken und natürlich auch Tee kochen. Wie vereinbart waren wir um 13:30 Uhr wieder beim Eingang, wo es ein leckeres Mittagessen gab: einen Topf mit Reis, einmal Erdnussoße und einen Topf mit einem frisch geschlachteten Huhn. Dienstag 12.2. Gute Strasse, kaum Verkehr, viel bergab und viel Rückenwind. Am späten Nachmittag treffen wir in Orodara ein. Das bessere Hotel war von einer Touristengruppe belegt. Das zweite Hotel war eine sehr sehr einfache Unterkunft mit ebenso einfachen Sanitäreinrichtungen. Wir kaufen auf dem Markt wieder große Mengen Obst und veranstalten in dem Garten der Herberge ein großes Schlachtefest.
Mittwoch 13.2. Wir fahren eine schöne Pistenstrecke, kommen immer wieder durch kleine Orte, begegnen aber so gut wie keinem Autofahrer. Bei einer Pause bemerkt eine Teilnehmerin, daß die Schnellspanner ihrer Vorderradnabe weg sind. Seit wann die fehlen und wie das passieren konnte, bleibt unklar. Wir setzen uns in den Schatten eines Baumes und spielen alle Varianten durch: warten bis ein Auto kommt und sie zum nächsten Ort mitnimmt? Kann man eine Ersatzspeiche durch die Nabe ziehen oder das Rad mit einem Kabelbinder an der Nabe befestigen? Da radelt plötzlich ein Junge die Strasse entlang, der ein komplettes Hinterrad auf dem Gepäckträger transportiert. Wir halten ihn an und fragen, ob es irgendwo Fahrradzubehör zu kaufen gibt. In zwei km Entfernung sei ein Mechaniker, hieß die Antwort. Wir fanden den Mann, er schaute sich den Schaden an und brachte kurze Zeit später eine gebrauchte Nabe an. Zwar etwas dünner, aber sie paßte. Da haben wir -mitten in der Pampa- doch sehr viel Glück gehabt. Donnerstag 14.2. Mit einem lokalen Führer gehen wir in die Pics von Sindou. Aufregende, bizarre Felsformationen, früheres Siedlungsgebiet der aus dem kriegerischen Mali geflohenen Dioula, die hier Schutz fanden. Die Felsnadeln von Sindou sind auch heute noch heiliges Gebiet und Opferstätte. So finden hier z.B. die Initiationsriten der 7-12 jährigen Jungen statt.
Wo immer unterwegs gerade Markt stattfindet, sollte man die Gelegenheit nutzen, sich das bunte Treiben anzusehen. Heute ist Markttag im 7 km entfernten Douna; groß, bunt, schön. Wieder betrachten wir interessiert das lokale Nahrungsangebot und probieren ein paar Sachen. Freitag 15.2. Die Strecke ist eine schöne Allee mit alten Mahagonibäumen; leider an einigen Abschnitten etwas sandig. In Tengréla quartieren wir uns in einer schönen Anlage ein. Zwei Leute fahren noch schnell in die Stadt um ordentlich Obst einzukaufen, das wir später im Campement am Tisch, im Schatten des Mangobaumes sitzend verspeisen. Kleinere Essensabfälle wurden von dem wartenden Schaf, den herumlaufenden Hühnern und den beiden Papageien umgehend recycled. Anschließend bieten sich zwei Hängematten zum Ausruhen an. Am frühen Abend laufen wir die 15 Minuten zum See und lassen uns von kleinen Paddelbooten in die Ecke rudern, wo die Hippos im Wasser liegen. Gut 10 Tiere können wir in aller Ruhe beobachten. Am Abend erleben wir ein grandioses Konzert von zwei Balafon Spielern und etlichen Trommelkünstlern. Der Leiter des Campements spielt auch in der Band Farafina und übt heute mit einer lokalen Gruppe. Wir kriegen Stühle gebracht und erhalten einen Platz in der ersten Reihe. Es ging mindestens drei Stunden lang, aber irgendwann waren wir zu müde und mußten uns zurückziehen. Samstag 16.2., Ruhiges Frühstück unter dem Mangobaum. Gestern hatten wir noch frische Ananas auftreiben können, von denen wir nun wieder eine schlachten.
Sonntag 17.2. Schon früh am Morgen war der Weg nach Banfora voller Menschen, die auf dem Kopf und per Fahrrad ihre Waren zum Markt brachten. Dort frühstückten wir erst mal und während die einen sich den Markt anschauten, radelten andere zum Damm von Tiéfora. Angeblich sollte dies ebenfalls ein Hippo See sein, aber dem war nicht so. Es war zwar ein netter Ausflug, aber im Prinzip lohnte sich das nicht. Montag 18.2. In Banfora brachten wir eine Teilnehmerin zum Bus, die diese Strecke nicht per Rad fahren wollte. Es ging beständig leicht bergauf und bergab. Wir fuhren recht zügig und hatten in gut 5 Stunden die 80 km nach Bobo Dioulasso hinter uns gebracht. Dienstag 19.2. Wir fahren an den Stadtrand und erkunden den Weg zur Opferstätte von Dafra. Ein schmaler Weg führt bergab bis an den Rand der Falaise. Hier stellen wir die Räder ab und klettern noch ca. einen km zu Fuß die Felsen hinunter. In einer Schlucht kommen wir in einen kleinen Wald, ein Wasserlauf und ein Tümpel. Wir werden von den Priestern der Opferstätte in Empfang genommen. Die Opferstätte selbst ist für die einen eine spannende Kultstätte, für andere ein dreckiger Platz, voll mit den Federn von gerupften Hühnern, Kot und auch ein paar Gedärme. An der Opferstätte muß jede Person einen Obulus entrichten und darf der Gottheit gegenüber seine Sorgen aussprechen, die einem dann abgenommen werden. Im unteren Verlauf des Wassers werden uns ein paar fette Welse gezeigt, die mit den Innereien der geopferten Tiere gefüttert werden. Nachmittags unternehmen wir noch verschiedene Sachen in der Stadt: zur Bank gehen, ins Internetcafé, die alte Moschee und das alte Viertel von Bobo ansehen. Mittwoch, 20.2. Wir fahren auf der asphaltierten Strasse nach Ouaga aus Bobo Dioulasso raus und biegen bald auf die Piste nach Diébougou ab. Zwischen Wellblechpiste mit Kies in der Mitte und Sand am Rand muß man sich den schmalen Streifen suchen, wo man gerade noch gut fahren kann. Wenn Autos entgegenkommen oder überholen wird man hoffnungslos eingestaubt. Donnerstag, 21.2. Freitag 22.2. Per Buschtaxi fuhren wir alle zusammen nach Pâ. Dort stiegen einige gleich in den nächsten Transport nach Boromo um während die anderen nach einer Pause die restlichen 40-45 km nach Boromo mit dem Rad fuhren. Anstrengend, denn es war heiß und es gab keinen Schatten. Samstag, 23.2. Tagsüber war Ausruhen angesagt. Die Mädchen der Hotelfamilie kommen und wollen mit uns was spielen. Mit unseren Rädern drehen sie einige Runden im Hof, dann fotografieren wir uns gegenseitig. Heute ist Feiertag, Tabaski. Die beiden Mädchen sind, ebenso wie alle anderen Kinder die wir heute sehen, sauber gewaschen, parfümiert und schick angezogen. Die Kinder gehen herum, wünschen ein gutes neues Jahr und sammeln Geschenke ein. Wir gehen mit den beiden zum Laden auf der anderen Strassenseite und spendieren eine Packung Kekse. Mit eigenem Geld kaufen sie noch eine Tüte Milchpulver, Kaugummi und ein paar Bonbons. Zurück im Hotelgarten wird alles auf einem Teller angerichtet. Das Milchpulver wird mit Wasser angerührt und auf einem Gaskocher erhitzt. Die Kinder werfen etliche Stück Würfelzucker dazu und löffeln genüßlich die süße Milch. Sonntag 24.2. Ab 08:00 Uhr kommen die ersten Busse aus Ouaga in Richtung Bobo Dioulasso in Boromo vobei, aber in umgekehrter Richtung tut sich erst mal gar nichts. Wir kamen mit dem ersten großen Bus um 10:30 Uhr mit. Für uns wurde extra eine ganze Ladung von Mehlsäcken ausgeladen, damit die Räder stehend im Kofferraum transportiert werden konnten. Die Fahrt verlief zügig und angenehm, der Bus war klimatisiert und hatte Musik. Mittags waren wir wieder in unserer Pension in Ouagadougou. Montag 25.2.
Heute radelten wir zum Bazoulé Krokodilpark. 20-30 Krokodile lagen am Rande der Pfütze, die in der Regenzeit mal ein größerer Teich war. Einige Tiere liessen sich von uns streicheln. Gut eine Stunde für die Hinfahrt, aber zurück deutlich länger, da wir ordentlich Gegenwind hatten. Dienstag 26.2. Heute besuchten wir das Village Artisanal, wo man ca. 30 Handwerkern und Künstlern bei der Arbeit zusehen kann. Qualitativ sehr gute Arbeit; der Besuch lohnt sich. Auf dem Weg dort hin das große Denkmal für alle Fahrradfahrer dieser Welt.
Auf dem Rückweg drehen wir noch eine Runde in dem Siedlungsprojekt für Luxuswohnungen, "Ouaga 2000". Nachdem diese Siedlung im Jahr 2000 für das Gipfeltreffen der afrikanischen Staatschefs aus dem Boden gestampft wurde, scheint es kaum noch weiter zu gehen. Einige grüne Inseln zwischen den Häusern sind inzwischen mit Bauschutt und Müll vollgekippt. Nachmittags Besuch eines Entwicklungsprojektes; die Frauen aus der Gruppe AFGD demonstrieren, daß sie jetzt die Begrüßungs- und Vorstellungsformen auch in französisch können und sie die französische Sprache neben den lokalen Sprachen auch bei den Alphabetisierungskursen einsetzen. Sie zeigen uns noch wie Seife hergestellt wird und wie sie Tomaten, Zwiebeln und Gemüse in einem Solartrockner haltbar machen. Abends gingen einige in die Stadt und schauten sich in einem Kino einen französischen Film an.
Mittwoch 27.2.
Die letzte große Radtour, ca. 80 km zu dem Künstlerprojekt von Laongo. Heute Abend nehmen wir unser Abschiedsessen vorweg und gehen in ein edles, für die lokalen Verhältnisse etwas teureres China Restaurant. Donnerstag, 28.2. Mit einem Teilnehmer wollte ich in der Stadt schnell noch etwas Geld wechseln. Doch aus war der Traum, als er über eine rote Ampel sprintete und ich ihm hinterher fuhr. Die Polizei hielt uns an, konfiszierte die Räder und schickte uns per Taxi zur Polizeistation. Dort durften wir unsere Strafe von umgerechnet etwa 8 Euro bezahlen und bekamen die Räder wieder, die ein Kleintransporter der Polizei (so wie auch die Räder und Mofas von etlichen anderen Leuten) nach einer halben Stunde Warten anbrachte. Nachmittags besuchten wir ein weiteres Frauenprojekt, die uns ihr Spar- und Kreditprogramm erläuterten. Später heißt es Sachen packen, das Fahrrad etwas säubern und nach dem Abendessen ging es zum Flughafen. Dort lief alles reibungslos. Am folgenden Morgen waren wir wieder in Berlin.
|

Samstag 9.2.